Die Isländer behaupten, der Ausbruch einer ihrer Vulkane habe die französische Revolution ausgelöst. Und auch der Machtverlust der Kirche soll auf das Konto eines Naturereignisses gehen. Klingt abwegig? Ist es nicht: Tatsächlich bestimmen Vulkanausbrüche, Erdbeben und andere Katstrophen seit jeher nicht nur den Lauf der Evolution, sondern nehmen auch ganz konkret Einfluss auf unsere Geschichte. 

Schon immer bestimmen die Bewegungen der Erdkruste und damit Erdbeben, Flutwellen und Vulkanausbrüche die Geschicke der Erde: Sie formen unsere Umwelt, regulieren unser Klima, beeinflussen den Lauf der Evolution und nehmen auch ganz konkret Einfluss auf unsere Geschichte. 

Erdbeben von Lissabon und die Aufklärung

So etwa hatte das große Erdbeben von Lissabon 1755 einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Aufklärung. Es habe, so der Geochemiker Gerhard Wörner, den Durchbruch für die wissenschaftliche Erklärung von Naturphänomenen gebracht und so den Anspruch der Kirche in der Deutung der Welt gebrochen.

"Eine wichtige Frage folgte auf diese Katastrophe, nämlich: Ist das die Strafe Gottes?"
Gerhard Wörner, Geochemiker

Wie fragil unser Planet ist, machen wir uns meist nur dann bewusst, wenn große Erdbeben oder massive Vulkanausbrüche stattfinden. Tatsächlich ist die Erde aber ständig in Bewegung. In ihr läuft sozusagen ein Motor, der zwar immer wieder Ereignisse verursacht, die für uns katastrophal sein können, der aber eben auch dafür sorgt, dass unsere Erde so funktioniert, wie sie es tut. 

Erst diese "inneren Kräfte der Erde", die gewissermaßen die Steuerung für langfristig konstante Lebensbedingungen darstellen, so Wörner, haben höheres Leben auf unserem Planeten ermöglicht. Sollte dieser Motor mal stottern, dann wäre es vorbei mit der Erde, so wie wir sie heute kennen.

"Die Wechselwirkungen zwischen der Atmosphäre, den Ozeanen und den von den inneren Kräften der Erde angetriebenen Bewegungen der Kontinente, das ist der Thermostat, der die Erde auf konstanter Temperatur hält, und das langfristig."
Gerhard Wörner, Geochemiker

Gerhard Wörner lehrt Geochemie an der Uni Göttingen. Vulkane sind seine Leidenschaft, so sagt er, und das merkt man seinem Vortrag an - zum Beispiel, wenn er mit Begeisterung den recht beunruhigenden Fakt vorträgt, dass unser aller Chancen, eine Supervulkan-Eruption zu erleben um einiges höher sind, als einen Sechser im Lotto zu landen. 

"Vulkanausbrüche, Erdbeben, Klimawandel: Wie innere Kräfte der Erde den Lauf der Evolution und unsere Geschichte prägen" heißt sein Vortrag, den er im Rahmen der Ringvorlesung "Umbrüche – Auslöser für Evolution und Fortschritt" gehalten hat, die von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen gemeinsam mit der Universität Göttingen veranstaltet wurde.