Wir alle hinterlassen im Netz so viele Spuren, dass sich dadurch Rückschlüsse auf unser Privatleben schließen lassen - darauf, was wir wann gemacht haben. Sollten die Möglichkeiten, so viele Daten zu sammeln, eingeschränkt werden?

Das Netz speichert alles über uns: die Suche nach Medikamenten gegen Depression, angeschaute Pornos, die Höhe eines mit der Bank vereinbarten Kredits. Also alles, was man sich nur irgendwie vorstellen kann. Das Unwissen darüber ist in weiten Teilen der Bevölkerung noch immer weit verbreitet.

Wer uns dort überwacht und warum, das beweisen die Journalistin Svea Eckert und der Physiker Andreas Dewes. Sie haben in Wallraf-Manier von einem Unternehmen, das viel Geld damit macht, Daten von drei Millionen Nutzern aus Deutschland erhalten.

Im Sommer 2016 konnten die beiden einen Monat lang einsehen, wer was genau im Internet gemacht hat. Nicht anonym, sondern konkret einer bestimmten Person zugeordnet. Ein hohes Gut, das die Unternehmen da für sich erwirtschaften:

"Das sind im Prinzip die Kronjuwelen, das ist das, was die Unternehmen auch ausmacht."

Dem Juristen Ulf Buermeyer und der Junior-Professorin für Öffentliches Recht Nora Markard ist deshalb der Kragen geplatzt:

"Wir finden, dass Internet-Massenüberwachung gerade nicht legitim ist und deswegen bereiten wir eine Klage vor."
Ulf Buermeyer, Jurist

Mit ihrer neuen "Gesellschaft für Freiheitsrechte" haben sie bereits am Bundesverfassungsgericht eine Klage gegen das Gesetz zur Datenhehlerei eingereicht. Ein Gesetz, das die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität in Gießen wiederum ausgezeichnet findet. Doch die Gesellschaft will langfristig solche Parlamentsbeschlüsse überprüfen lassen, denn: 

"Das ist eher der Wilde Westen aktuell, was Userdaten angeht. Jeder versucht halt, viel zu sammeln."
Andreas Dewes, Datenspezialist

Andreas Weigend ist Autor des neuen Buches "Data for the People". Er erklärt recht einfache Fälle, in denen der Staat, seine Tochtergesellschaften und Unternehmen Daten von uns erheben - wie zum Beispiel die Elektrizitätswerke in Berlin (Bewag), die im Vattenfall-Konzern aufgegangen sind:

"Die Bewag weiß nicht nur, wann ich wasche, sondern sogar, wie viel ich wasche."

Die Vorträge stammen von der Republica in Berlin, dem großen Netzwerk-Festival, das im Mai 2017 stattgefunden hat.

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