Vor allem britische Urlauber verklagen Reiseveranstalter, weil sie sich im Urlaub an einer Magen-Darm-Grippe angesteckt haben - angeblich. Die Regierung will dagegen vorgehen. 

Bis zu drei Jahre nach ihrem Urlaub können britische Touristen ihren Reiseveranstalter wegen Erkrankungen am Ferienort verklagen. Beispielsweise, weil sie sich angeblich am All-inklusive-Buffet mit Salmonellen oder Viren angesteckt haben. 

Um solch eine Klage vor Gericht zu gewinnen, brauchen die Kläger noch nicht einmal ein medizinisches Gutachten. Als Nachweis für ihre Erkrankung reicht ein Foto eines Medikaments gegen eine Durchfallerkrankung, das der Kläger angeblich gekauft haben will. 

"Letztens hat sogar der britische Außenminister Boris Johnson gewitzelt, das Verdauungssystem seiner Landsleute gehöre wohl zu den empfindlichsten der Welt. "
Paulus Müller, Deutschlandfunk Nova

In England gibt es sogenannte Claim-Management-Firmen, die Urlauber dazu auffordern aktiv zu lügen und den Reiseveranstalter wegen einer Krankheit zu verklagen, an der sie nie erkrankt sind. 

Seit zwei Jahren melden Reisekonzerne und Hotels am Mittelmeer, Magen-Darm-Epidemien wie nie zuvor: 430 Prozent mehr als vorher, sagt der britische Tourismusverband. Das Kuriose daran:  Nur britische Touristen werden krank. Die Wahrscheinlichkeit, dass hier viele Betrugsfälle vorliegen, ist also hoch. 

In Deutschland ist die Rechtslage anders

In Deutschland müssen Urlauber innerhalb eines Monats ihre Klage einreichen. Außerdem müssen Deutsche, die behaupten, sie seien durch das Essen im Hotel erkrankt, nachweisen dass auch anderer Hotelgäste betroffen waren. Wer als einziger krank geworden ist, hat kaum eine Chance vor Gericht zu gewinnen. Ähnlich ist das auch in anderen europäischen Ländern.

Schlechtes Image britischer Urlauber

Manche Reiseveranstalter haben schon angekündigt, dass sie darüber nachdenken, alle all-inclusive-Angebote für Briten zu streichen. Die britische Regierung hat sich eingeschaltet, weil das Image der britischen Touristen abnimmt. Sie will das britische Verbraucherrecht ändern, sodass Reiseunternehmen und Hotels sich leichter gegen Klagen der Urlauber zur Wehr setzen können. Außerdem sollen die "Claim Companies" strenger überwacht werden.

Wenn das keinen Erfolg hat, könnte es über kurz oder lang auch uns alle treffen: Große Reisekonzerne beklagen, dass die Betrugsfälle allein für Hotels in Mallorca auf einen Wert von 50 Millionen Euro geklettert sind. Bleibt die Schadenshöhe derart hoch oder steigt sogar noch, müssen sie die Preise für alle Urlaubsreisen hoch setzen.