Holz hat das Image, besonders nachhaltig zu sein. Holz ist auch ein vielversprechender Rohstoff – aber nicht in der Art und Weise, wie wir ihn gerade nutzen. Wir verschwenden ihn.

Holz scheint das neue Plastik zu sein. Unsere Zahnbürste, das Einmalbesteck, Verpackungen und auch Kleidung ist jetzt aus Holz. Auf dem Bau ersetzt Holz den klimaschädlichen Beton und zum Heizen wird der natürliche Rohstoff statt Kohle und Gas benutzt. Das soll uns mehr Nachhaltigkeit bringen.

"Holz ist ein wunderschöner, vielseitiger Rohstoff. Was wir aber sehen, ist, dass er überall eingesetzt wird."
Meghan Beck-O'Brien, Studienautorin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Kassel

Holz ist vielseitig und wird deshalb aktuell in vielen Bereichen eingesetzt, quasi als Allheilmittel. Und genau hier liegt das Problem, sagt Meghan Beck-O'Brien, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Kassel. Sie hat an einer neuen Studie mitgearbeitet, die die Uni Kassel zusammen mit der Umweltschutzorganisation WWF herausgebracht hat.

Momentan ist die Nachfrage nach Holz viel höher, als die Wälder hergeben. Bis zu zwei Milliarden Kubikmeter Holz werden laut der Studie jedes Jahr zu viel aus den Wäldern geerntet. Das ist so, als ob jährlich die Hälfte aller Bäume in Deutschland gefällt würde. In Deutschland verbrauchen wir pro Kopf zudem mehr als doppelt so viel von dem Rohstoff als in anderen Teilen der Welt. Nachhaltig ist das nicht mehr.

Wir übernutzen Wälder

Gleichzeitig sind wir inmitten einer Biodiversitäts- und Klimakrise. In beiden Krisen sind die Wälder entscheidend, erklärt Meghan Beck-O'Brien. Dafür brauchen wir allerdings naturnahe, gesunde Wälder. Damit wir zum Beispiel das Potenzial von Bäumen als natürliche CO2-Speicher überhaupt nutzen können. Was gerade allerdings passiert, ist genau das Gegenteil: Wir übernutzen die Wälder.

"Wir haben die Tendenz, die Verwendung von Holz automatisch als nachhaltig zu bewerten."
Meghan Beck-O'Brien, Studienautorin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Kassel

"Die Menge machts", so die Studienautorin. Aktuell würden wir Holz verschwenden, als gäbe es den Rohstoff im Überfluss. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Holz als Wegwerfprodukt endet wie für Verpackungen.

"Wieso bekomme ich ungewollt einen Katalog per Post zugeschickt? Deutschland hat den zweitgrößten Pro-Kopf-Bedarf an Papier", sagt sie. Auch ein Kleidungsstück aus Holzfasern ist wenig nachhaltig, wenn wir es nur wenige Male tragen.

Kreislauf- und Kaskadennutzung

Neben dem Blick auf die einzelnen Produkte, für die Holz als nachhaltige Alternative dienen soll, geht es um die Gesamtmenge, die wir global verbrauchen – die gilt es zu reduzieren, so Meghan Beck-O'Brien. Ähnlich wie es mit dem Verbrauch von Plastik auch ist.

Und in den Bereichen, in denen wir die Rohstoffe verwenden, ist eine funktionierende Kreislaufwirtschaft und die sogenannte Kaskadennutzung entscheidend. Holz kann zum Beispiel erst als Bauholz im Anschluss dann für holzbasierte Produkte verwendet werden, um es erst am Ende zum Heizen und für die Energieerzeugung zu nutzen.

Besonders Letzteres – die energetische Nutzung des Rohstoffs – ist kaum nachhaltig. Würde mit Holz der weltweite Energiebedarf für ein Jahr gedeckt werden, müssten dafür fast alle Wälder der Welt abgeholzt werden. Das Label "nachhaltig" mache Holz aber begehrt.