Viele sind seit Monaten im Homeoffice. Das heißt auch: viele ermüdende Videokonferenzen. Denn irgendwie sind diese digitalen Treffen ziemlich ermattend. Warum eigentlich? Und was hilft dagegen? Das wollen mehrere Untersuchungen erklären.

Eine aktuelle Studie der Universität Göteborg zeigt, dass die vielen Videokonferenzen Frauen mehr ausmachen als Männern. An der Untersuchung haben gut 10.000 Menschen teilgenommen. Sie konnten bewerten, wie sehr die digitalen Konferenzen sie anstrengen. Das Ergebnis:

  • 14 Prozent der Frauen sagten, dass die Videokonferenzen "sehr anstrengend" sind.
  • Bei den Männern stimmten nur knapp 6 Prozent zu.

Müdigkeit und Erschöpfung durch Videokonferenzen

Bereits im Februar hatte ein Team der Universität Stanford eine erste Analyse von Videocalls vorgelegt. Darin benannten die Fachleute vier Faktoren für die sogenannte "Zoom Fatigue": Also Müdigkeit und Erschöpfung, die bei vielen Menschen durch die Teilnahme an Videokonferenzen ausgelöst wird. Folgende Faktoren fand das Team:

  • Der ständige Blick auf den Bildschirm ist anstrengend.
  • Auch, dass wir uns permanent selbst sehen.
  • Das lange Stillsitzen ist mühsam.
  • Und die digitalen Konferenzen fordern uns kognitiv heraus, da die nonverbale Kommunikation wegfällt. Zum Beispiel gestikulieren wir stärker, und es kostet mehr Energie die Gesten der anderen zu interpretieren.

Die Studie ist jedoch nicht repräsentativ. Für die Untersuchung hatten sich vor allem Menschen gemeldet, denen "Zoom Fatigue" schon ein Begriff war.

Häufigkeit und Dauer anpassen

Warum Frauen Videocalls anstrengender empfinden als Männer das tun, dazu gibt es zwei Vermutungen, so Tina Howard aus den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten. Zum einen dauern die Konferenzen der Frauen länger, so die Studie aus Göteborg. Außerdem haben sie zwischen den Calls weniger Pausen. Und die Frauen berichten häufiger, dass es sie schlaucht, sich ständig selbst zu sehen. Dieses Gefühlt ist auch als "mirror anxiety" bekannt, also als Angst vor dem Spiegel.

"Es ist wichtig, Dauer, Frequenz und Taktung von digitalen Konferenzen zu beachten."
Tina Howard, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Ein Team der Old Dominion Universität und der Ohio State Universität ist in einer weiteren Studie solchen Fragen nachgegangen. Sie analysierten ein Gruppe von 55 Menschen eine Woche lang. Die Teilnehmenden mussten im Stundenrhythmus Fragebögen beantworten, so Tina Howard. Auch hier fanden alle, dass Videokonferenzen anstrengen. Aber entscheidend scheint auch, wann und wie die digitalen Calls stattfinden.

"Wichtig ist, dass es eine Art Gruppengefühl in der Videokonferenz gibt."
Tina Howard, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Kaum Ermüdungserscheinungen traten auf, wenn die Konferenz nach der Mittagspause stattfand. Dass Teilnehmende zwischendurch die Kamera ausschalten, damit sie sich nicht ständig sehen, hatte keinen großen Effekt. Wichtig war aber, dass sich während der Konferenz eine Art Gruppengefühl einstellt. Am anstrengendsten waren Konferenzen, wenn sich Teilnehmende nicht zugehörig fühlten und als Folge nur mit halbem Ohr zuhörten.

Beim Thema "Zoom Fatigue" ist es aber auch wichtig, dass Arbeitgeber reagieren, so Tina Howard. Unternehmen müssen anerkennen, dass Videokonferenzen anstrengender sind als persönliche Zusammenkünfte. Es ist wichtig, auf Dauer und Häufigkeit von Videokonferenzen zu achten und genug Pausen dazwischen einzuplanen. Außerdem sei es wichtig, das Gruppengefühl zu stärken, indem am Anfang einfach kurz gequatscht wird. Meistens dauere es ohnehin ein wenig, bis alle eintrudelt seien.