Offene Anfeindungen gegen Lesben und Schwule gibt es in Deutschland nur noch selten. Die Homophobie ist subtiler geworden. Die Mehrheit aber befürwortet die Öffnung der Ehe und ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare.

Am Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie ist es Zeit, mal kurz zu reflektieren: Wie steht es mit der Homophobie beziehungsweise mit der Akzeptanz von Lesben, Schwulen und Trans*-Menschen eigentlich zurzeit in Deutschland?

Eine offene Abgrenzung gibt es heute weitgehend nicht mehr, sagt Sozialpsychologe Ulrich Klocke von der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu erkennen seien aber modernere Formen der Homophobie, etwa:

  • Die Forderung an Lesben und Schwule, ihre sexuelle Orientierung für sich zu behalten.
  • Das Verleugnen, dass es Diskriminierung von Lesben und Schwulen in Deutschland gibt.
  • Oft ändert sich die Einstellung zu homosexuellen Menschen bei der Vorstellung, die eigene Tochter oder der eigenen Sohn sei lesbisch oder schwul.
  • Ein unangenehmes Gefühl, wenn zwei Männer oder zwei Frauen beim Austausch von Zärtlichkeiten beobachtet werden.

Es hat sich aber schon einiges verbessert. Während in den 60er-Jahren 40 Prozent der Deutschen angaben, Homosexualität sei "eine Krankheit", denken das heute noch 11 Prozent.

Ulrich Klocke sagt zudem: 83 Prozent der Befragten seien für die Öffnung der Ehe, 76 Prozent für ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare.

Für die Männlichkeit: Von Schwulen abgrenzen

Klocke hat in einem Gastbeitrag für "Die Zeit" Gründe für Homophobie beschrieben. Wichtig sei zum Beispiel das Bild, das vor allem Männer von den Geschlechtern haben. So lehnen solche Jugendliche Lesben und Schwule stärker ab, die es nicht gut finden, wenn Mädchen Fußball spielen oder Jungen weinen. Auch spiele eine Rolle, dass "Männlichkeit immer wieder neu erkämpft werden muss". Homophobe Äußerungen seien eine wirksame Methode, "um sich vom nicht-männlichen Schwulen demonstrativ abzugrenzen".

Schwule, lesbische und Trans*-Menschen sollten am besten offen über ihre Partnerschaft sprechen. Das würde am ehesten helfen, Vorurteile abzubauen und Homophobie entgegenzuwirken.