Einen internationalen Tag gegen Homophobie - brauchen wir das noch? Ja. Denn in der Politik gibt es noch viel zu tun, sagt Sören vom Aktionsbündnis gegen Homophobie.

Heute (17.05.2016) ist Internationaler Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie. Ein Tag, der daran erinnern soll, dass Schwule, Lesben oder Bisexuelle noch immer gegen viele Vorurteile kämpfen müssen, und dass sie nicht voll und ganz so leben können, wie sie es möchten. Ein Beispiel: Schwule und Lesben dürfen in Deutschland nicht heiraten.

"Die eingetragene Lebenspartnerschaft für Schwule und Lesben ist nur zweitklassig, sie bietet nicht die gleichen Rechte wie eine Ehe. Zum Beispiel ist eine gemeinsame Adoption nicht möglich."
Sören Landmann vom Aktionsbündnis gegen Homophobie

Sören Landmann ist Beauftragter der Stadt Mannheim für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Intersexuelle Menschen - kurz LSBTI. Bei der Stadt Mannheim teilt er sich die Stelle zusammen mit einer Frau. Insgesamt gibt es in Deutschland LSBTI-Beauftragte in 13 Städten: "So was ist noch Pionierarbeit", sagt Sören.

Ehe für alle

Ihm fallen noch viele Punkte ein, in denen die Politik hier in Deutschland nacharbeiten müsste: Er möchte einen besseren Schutz für Kinder aus Regenbogenfamilien, er findet es nicht gut, dass Menschen, die eine Geschlechtsangleichung vornehmen lassen möchten, noch immer viele Hürden nehmen müssen. Aber hauptsächlich geht es ihm um das Thema "Ehe für alle".

"Wir würden uns ein engagierteres Vorgehen in der Politik wünschen, denn die Gesellschaft ist schon viel weiter."
Sören Landmann vom Aktionsbündnis gegen Homophobie

Sören selbst wohnt mit seinem Partner auf dem Land. In der Stadt, sagt er, da gibt es mehr Infrastruktur, bessere Ärzte und Angebote speziell für Homosexuelle. Trotzdem findet er nicht, dass es Schwule auf dem Land per se schwerer haben, als in der Stadt: "Viele meiner Freunde wohnen auf dem Land", sagt er. "Mein Partner und ich wohnen auch in einer kleinen Stadt und sind da sehr gut aufgenommen worden."

Politik, Unternehmen, Schulen - sie alle haben eine Verantwortung dafür, meint Sören, dass Schwulen und Lesben gleichberechtigt und selbstbestimmt leben können. Gerade in der Pubertät haben es Jugendliche noch schwer, wenn das Coming Out vor ihnen liegt. "Unternehmen sollten sich nicht nur um Bilanzen kümmern, sondern auch darum, wie es ihren Mitarbeitern im Alltag geht".

Solidarität, auch mit schwulen Flüchtlingen

Solidarität fordert Sören aber nicht nur von der Gesamtgesellschaft, sondern auch von seiner eigenen Community. "Man muss sagen, dass die Solidarität zum Beispiel mit der Gruppe der Geflüchteten nicht immer besonders hoch ist. Wir sitzen alle im selben Boot und sollten einander helfen, finde ich."