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In der Gaming-Community gibt es mal wieder Beef: Es geht um die Frage, wie ein weiblicher Charakter in einem Computerspiel auszusehen hat. Und um Sexismus-Vorwürfe. Entzündet hat sich die Debatte an "Aloy", der weiblichen Hauptfigur des bald erscheinenden Endzeit-Spiels "Horizon Forbidden West".

Im Trailer des Games taucht die Heldin etwa bei Minute eins zum ersten Mal auf: Mit wehenden roten Haaren reitet "Aloy" auf einem futuristischen Robo-Reittier den Strand entlang.

"I must find a way to stop it. Or it will get worse and worse..."

Auslöser der Kontroverse über das Aussehen der Heldin war ein Twitter-Post. Der User "ApexAlphaJ" beschwert sich darüber, dass Aloy nicht weiblich genug aussieht. Er fragt: "Bin das nur ich oder lässt Sony seinen Hauptfigur so maskulin wie möglich aussehen? Fast keine Kurven oder andere weiblichen Features...anders als durchschnittliche Frauen."

ApexAlphaJ liefert einen Fanart-Verbesserungsvorschlag mit, der demonstriert, wie Aloy seiner Meinung nach aussehen sollte: schlanker, die Gesichtsform weniger rund, sondern mit spitz zulaufendem Standard-Model-Kinn, ebenmäßige weiße Zähne und ein strahlendes Lächeln, dazu deutlich mehr gestyled und geschminkt, viel Makeup, Mascara und Lippgloss, keine Falten – kurzum: sie sieht so aus, wie seit "Tomb Raider" Lara Croft eben sehr viele weibliche Charakter in Computerspielen aussehen.

Aloy nicht "perfekt" genug?

Der Post ging und geht richtig ab bei Twitter, berichtet unsere Netzreporterin Martina Schulte. Und auch bei Reddit wird Aloy heiß diskutiert. Viele Gamer geben ApexAlphaJ recht und beschweren sich, dass die Heldin nicht dünn genug ist und zudem ungesund aussieht – "wie jemand, der sich zu viele Schokoriegel reingestopft hat".

Nicht gerade wenige Kommentierende beschweren sich über das zu runde Gesicht von Aloy – in der Vorgängerversion "Horizon Zero Dawn" (2017) sei das noch viel schmaler gewesen. Es gibt auch ziemlich fiese Photoshop-Montagen, in denen das Gesicht von Aloy zu einem aufgedunsenen Ballon aufgebläht ist. Wieder andere mutmaßen, der angeblich "maskuline" Look sei ein Versuch Sonys, die Heldin "attraktiver" für transsexuelle Spielerinnen und Spieler zu machen.

"Manche schreiben, der angeblich 'maskuline' Look sei ein Versuch Sonys, die Heldin 'attraktiver' für transsexuelle Spielerinnen und Spieler zu machen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Viele Userinnen und User finden solche Anmerkungen sexistisch bis lächerlich, so Martina Schulte. Ihrer Beobachtung nach finden "schon auch sehr sehr viele User das neue Design gut". Aloys "Verteidiger" sagen: Wie bitte soll denn ein Charakter in einer gefährlich-bedrohlichen Endzeit-Welt wie "Horizon" aussehen, die 1.000 Jahre nach dem Untergang der Zivilisation spielt? Wäre doch absolut daneben, wenn die Heldin da Lipgloss und Eyeliner trägt.

Die neue Aloy: zugänglicher und realistischer

Einige versuchen auch, eine sachliche Erklärung für die Wahrnehmung zu geben, dass das Gesicht der neuen Aloy runder wirkt als bei der vier Jahre alten Vorgängerversion: Durch die weitwinkelige Kamera würden die Proportionen des Gesichts verzerrt. Viele verteidigen Aloys Redesign auch als natürlicher, zugänglicher und realistischer. Dadurch könnten sich mehr Menschen mit dem Charakter identifizieren.

Bereits beim Release von "The Last Of Us 2" (2020) war es so, dass die eher muskulöse weibliche Figur einigen Leuten "nicht Weibchen-mäßig genug" war, erinnert unsere Netzreporterin. Ihr Fazit: Auch wenn sich das Rollenbild weiblicher Charaktere in Games in den letzten Jahren stark verändert hat – vom Sexsymbol zur starken Heldin: Überkommene Geschlechterklischees in der Gamerwelt sind damit offenbar nicht passé.