Sie sind klein und niedlich – oft aber auch krank und verstört: Welpen aus illegalem Handel. Der Markt boomt, nicht zuletzt wegen der Pandemie. Tierheim-Mitarbeiter*innen sind frustriert, denn ihre Aufklärungsarbeit scheint nichts zu bringen.

Durch die ganze Zeit, die wir in der Pandemie zu Hause verbringen, sind viele auf die Idee gekommen, sich ein Haustier anzuschaffen. Die Preise für Hundewelpen sind dabei explodiert. Die Nachfrage ist einfach riesig. Viel günstiger sind da Welpen, die aus dem Ausland kommen, meist aus illegalem Handel.

Tierschutzbund stellt 1.300 Hunde sicher

Allein in diesem Jahr hat der deutsche Tierschutzbund 1.300 Hunde sichergestellt – doppelt so viel, wie im vorigen Jahr. Diese Hunde landen dann in Tierheimen, wie beispielsweise dem Tierheim in Lübeck, das Elena Čujić leitet. Sobald die Tiere dort ankommen, berichtet Elena Čujić, geht es erst einmal für sie in Quarantäne. Den Zustand der kleinen Welpen beschreibt sie als "schlecht, bis sehr schlecht".

"Die Tiere sind mehr tot als lebendig. Die sind alle krank."

Die Krankheiten der Tiere reichen von Darmparasiten über Hautkrankheiten bis hin zu Viruserkrankungen, so Elena Čujić. Ihrer Erfahrung nach kommen die Hunde immer aus dem Ausland. Woher genau, lasse sich nicht immer nachvollziehen, weil der Pass beispielsweise aus Ungarn komme, die Impfung in Serbien gemacht wurde und alles auf Polnisch aufgeschrieben sei. Die Händler selbst wären für die Aufklärung wenig hilfreich – sie würden stattdessen wilde Stories erzählen um sich selbst nicht zu belasten.

Der Markt für illegalen Tierhandel ist riesig – und wächst

Der Markt für illegalen Welpenhandel sei riesig, weiß Elena Čujić. Und er wachse – natürlich vor allem, weil die Nachfrage nach Hundewelpen so groß sei.

"Der Markt ist riesengroß. Nach Waffenhandel und Drogenkriminalität auf Platz drei."
Elena Čujić, Tierheimleiterin in Lübeck

Durch die Pandemie gab es noch mal einen riesigen Boom. Was Elena Čujić bedauert, da sie und ihre Kolleg*innen aus der Branche sehr viel Aufklärungsarbeit gemacht haben. Aber immer noch seien potentielle Käufer*innen schlecht informiert oder auch einfach naiv.

Illegalen Welpenhandel erkennen

Dabei gebe es eine Menge Kriterien, an denen man unseriöse Verkäufer*innen erkennen könne:

  • Welpen werden auf Onlineplattformen wie Ebay-Kleinanzeigen angeboten.
  • Das Muttertier ist nicht zu sehen, oder es werde vorgegaukelt, sie sei gerade spazieren oder wohne bei einem Onkel.
  • Es gibt keinen Pass, oder keinen offiziellen.
  • Die Verkaufenden stellen keine Fragen.

Bei seriösen Züchter*innen laufe das ganz anders, berichtet Tierheimleiterin Elena Čujić. Hier müsse man Geduld mitbringen. Meist gibt es ein erstes Treffen, in dem die Interessent*innen das Muttertier kennenlernen und ein langes Gespräch mit dem Züchter oder der Züchterin führen. Der oder die entscheidet dann, ob es passt oder nicht und meldet sich dann, wenn das Muttertier trächtig ist und Junge erwartet.

Viele sind uninformiert oder wollen eine Rasse, die nicht zu ihnen passt

Wie wichtig die Gespräche mit den potentiellen Hundebesitzer*innen sind, weiß Elena Čujić aus eigener Erfahrung. Viele wüssten gar nicht, worauf sie sich einlassen und was auf sie zukommt – oder sie suchten sich schlicht die falsche Rasse aus.

"Wir sehen immer wieder, dass die Leute, die Schnellkäufe machen, das gar nicht richtig ernst nehmen. Wenn sie richtig aufgeklärt sind, sinkt die Nachfrage."
Elena Čujić, Tierheimleiterin in Lübeck

Die Hunde, die bei Elena Čujić im Lübecker Tierheim landen, können zwar vermittelt werden, allerdings trenne sich da auch die Spreu vom Weizen, sagt sie. Viele, die sich mal eben einen Hund anschaffen wollen, kommen nach dem ersten Gespräch meistens nicht wieder. Elena erklärt ihnen nämlich vorab sehr deutlich, was es bedeutet, einen Hund aus einer Qualzucht bei sich aufzunehmen.