Mit dem Hund an der frischen Luft toben oder mit der Katze auf der Couch schmusen – gerade in Corona-Zeiten klingt das verlockend. Warum viele Menschen den Traum vom Haustier nun in die Tat umsetzen.

Wir sind viel zuhause, viele von uns haben mehr Zeit als sonst und überhaupt, wir wollten schon immer ein Haustier haben. Warum sollten wir uns also nicht einfach den lange gehegten Traum von einem Hund, einer Katze oder einem Meerschweinchen erfüllen? Darüber sprechen wir in dieser Ab 21.

Elena Čujić ist die Leiterin des Tierheims in Lübeck, wo seit Corona ein "massiver Anstieg" bei der Nachfrage nach Kleintieren zu verzeichnen ist. Von einer Tierart können die Menschen gerade nicht genug bekommen, die Anfragen danach seien höher, als die Zahl der Tiere im Heim, so Elena Čujić.

"Gerade das Interesse an Kaninchen ist in Zeiten von Corona immens gestiegen. Die Leute nehmen sich die Zeit, bauen vernünftige Ställe – das, was es halt braucht, um Kaninchen richtig zu halten."
Elena Čujić, Leiterin Tierheim Lübeck

Damit die und all die anderen Tiere, die jetzt angeschafft werden, nicht gleich wieder im Tierheim landen, würden sie und ihr Team gerade verstärkt Aufklärungsarbeit leisten, sagt Elena Čujić. Sie rechnet jedoch damit, dass nicht jeder, der sich jetzt ein Haustier anschafft, das auch dauerhaft behalten wird. Vielmehr rechnen sie nach dem Ende der Pandemie mit vielen Rückgaben: "Wir erwarten eine Welle, wie hoch die sein wird, können wir nur mutmaßen. Gerade das ist jetzt ein Problem, sich einen Welpen anzuschaffen, nur weil man gerade mal Zeit hat, ist wenig vorausschauend gedacht."

Beratung bei Problemen mit den Haustieren

Wenn Menschen mit ihren jungen Hunden überfordert sind, dann können sie die in der Welpenklappe abgeben. Kevin Harris arbeitet bei der Welpenklappe in München und beobachtet, dass gerade weniger Hunde abgegeben werden als vor Corona. Nun würde er öfter angerufen werden, die Menschen würden ihn um Rat bitten oder seien auf der Suche nach Hilfe.

Vor der Corona-Pandemie, so seine Erfahrung, hätten sich die Menschen nicht gemeldet, sondern das Tier einfach in der Welpenklappe abgegeben: "Ich habe das Gefühl, dass Menschen wieder Werte entdeckt haben, Vor Corona hatten wir eine Wegwerfgesellschaft. Wenn etwas nicht funktioniert hat, dann weg damit." Was Kevin Harris Menschen rät, die sich jetzt einen Welpen anschaffen wollen, könnt ihr im Podcast hören.

Sicherheit und Halt durch ein Haustier

Mandy Weber ist Psychologin, Hundebesitzerin und hat zur Mensch-Hund-Beziehung geforscht. Unseren derzeitigen Wunsch nach einem Haustier, erklärt sie auch durch den Mangel unserer Alltagsstruktur in der Pandemie-Zeit. Da wir nun nach dieser Struktur suchen würden und ein Tier, die uns geben könne, sei der Wunsch danach nun ausgeprägter. "Ein Tier bietet natürlich Halt und Struktur. Das bietet auch Sicherheit und Kontinuität, eine feste Größe, jetzt in der Corona-Zeit."