Stylemäßig ist der Wolf eher grau, der Hund dagegen ein krasser Hipster: Immer anders und extrem vielfältig. Aber wie kann das sein, und welche Rolle spielt dabei die Flexibilität der Chromosomen in Spermium und Eizelle?

Bisher dachte die Forschung, dass die zahlreichen Hundezüchtungen wie Bulldoggen, Pinscher und Bullterrier, den besten Freund des Menschen als genetischen Verwandlungskünstler definieren. Der ewig grau aussehende Wolf hätte hingegen eher ein lahmes Erbgut vorzuweisen. Schuld sollte das Rekombinationsvermögen sein, also die Fähigkeit, Chromosomen bei der Reifung von Spermien und Eizellen höchst variabel zu verteilen.

Auf der Suche nach Hundesperma und Wolfseileitern

Violeta Muñoz-Fuentes von der Universität in Sevilla ist dem bisher bloßen Verdacht nachgegangen und hat domestizierte Hunderassen und wild lebende Wölfe miteinander verglichen. Die Zellen aus Hundehoden und Eileitern hat Violeta Muñoz-Fuentes von Tierkliniken bekommen, die während einer OP Gewebeproben entnahmen. Aber Gewebeproben von Wölfen? Die hat sie schließlich über die Zoos in Madrid und einem weiteren in Schweden erhalten, nachdem dort Wölfe gestorben waren.

"Wir mussten immer reisebereit sein, denn nur wenn ein Wolf starb, konnten wir los und die Proben sammeln."
Violeta Muñoz-Fuentes, Biologin

Große Überraschung: Nicht der Hund, sondern der Wolf hat eine höhere Rekombinationsrate zu bieten. Auch der Vergleich von anderen Züchtungen und Wildtieren wie Ziegen und Steinböcken offenbarte dasselbe Ergebnis. Die wilde Variante hat eine höhere Rekombinationsrate als das Zuchtprodukt.

"Wir haben diese natürliche Variabilität an sich durch Züchtung gar nicht beeinflusst."
Carsten Nowak, Senckenberg-Institut

Züchtung bedeutet offensichtlich nicht, dass die Variabilität innerhalb einer Art größer wird, ganz im Gegenteil. Jeder Zuchterfolg bedeutet auch immer eine Verengung des genetischen Spielraums. Auch ein Grund warum Zuchttiere unter den unterschiedlichsten Krankheiten und Gebrechen leiden.

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