2011 erlebte Karl Theodor zu Guttenberg sein blaues Wunder. Sein stetiger Aufstieg endete jäh: Die Universität Bayreuth entzog dem promovierten Verteidigungsminister den Doktor-Titel. Der erste große Plagiatsskandal.

Das entsprechende Gutachten war eindeutig und vernichtend. Darin hieß es, in zu Guttenbergs Arbeit zu "Verfassung und Verfassungsauftrag“ seien "die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht“ worden. Autsch.

Die Wissenschaft hatte es sich selber zuzuschreiben. Sie war zu einem umfassenden Abschreibesystem verkommen.
Rainer Maria Kiesow, Jurist und Rechtstheoretiker

Einige Politiker verloren in dieser Zeit erst ihren Doktor-Grad, dann ihre Posten, andere kamen in Erklärungsnot. Die wissenschaftliche Welt war in Aufruhr. Und sie ist es noch. Denn: Da mußte ja über Jahre was schief gelaufen sein. Prüfungskommisionen und Doktorväter mußten geschlampt haben. Ihre Arbeit wurde durch die Schwarmintelligenz im Netz in Zweifel gezogen. Was also tun?

Der richtige Umgang mit Vorhandenem

Das Nachdenken über die Grenzen und Möglichkeiten der Plagiatsforschung hält seither an. Welche Aneignung ist wissenschaftlich korrekt, welche nicht? Damit beschäftigt sich die Arbeitsgruppe "Zitat und Paraphrase" an der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

"Ändere die Reihenfolge und die Syntax, ändere die Ausdrücke und die entliehenen Wörter, ändere die Bilder!"
Rainer Maria Kiesow, Jurist und Rechtstheoretiker

Und eine besonders spannende Auseinandersetzung der Wissenschaft mit sich selbst wollen wir heute senden: der Rechtswissenschaftler Rainer Maria Kiesow hat sich da was ausgedacht. Nämlich „ein Lehrstück über Rechthaberei“, wie er das nennt. Er erfindet eine düstere Zukunft, in der Maschinen errechnen wie originell und eigenständig das ist, was Forscher geschrieben haben. Sein Lehrstück „Das perfekte Plagiat“ nähert sich dem Thema auf überraschende Weise. Und ohne die Namen „Schavan“ oder „Guttenberg“ in den Mund zu nehmen.

Rainer Maria Kiesow erzählte sein "Lehrstück über Rechthaberei" am 21. Mai 2015 als Mitglied der Arbeitsgruppe "Zitat und Paraphrase" an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

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