Hurrikane mit weiblichen Namen sollen gefährlicher sein als männliche. Frauen werden offenbar unterschätzt. Doch stimmt das wirklich?

Wirtschaftswissenschaftler und Psychologen haben entdeckt, dass Hurrikane mit weiblichen Namen zu mehr Todesfällen führten als ihre männlichen Kollegen. Doch ganz so einfach ist es nicht: Bis in die 70er Jahre hatten alle Hurrikane weibliche Namen, ein Vergleich der Stürme vor dieser Zeit macht daher wenig Sinn.

Auch wenn die Forscher andeuten, dass die Ergebnisse der Studie ähnlich bleiben, wenn man nur Wirbelstürme nach 1979 analysiert, ist die Aussage, dass weibliche Hurrikans gefährlicher sind statistisch wohl nicht haltbar. Insgesamt haben sie sogar etwas weniger Schäden verursacht als Stürme mit männlichen Namen, meint DRadio-Wissen-Statistikerin Katharina Schüller.

​"Mir erscheint das alles ziemlich dramatisiert"
DRadio-Wissen-Statistikerin Katharina Schüller

Problematisch ist beispielsweise die Auswahl der Daten für die Studie. Mit Katrina aus dem Jahr 2005 und Audrey aus dem Jahr 1957, die insgesamt fast 2250 Todesopfer forderten, wurden zwei Stürme nicht berücksichtigt, die mehr Todesfälle verursachten, als alle anderen 92 Wirbelstürme zusammen. Als Grund gaben die Forscher an, dass das Modell auf solche Extremfälle nicht mehr passt.

Eine Frage der Einschätzung

Geht es allerdings um die Frage, als wie gefährlich die Testpersonen einen heranziehenden Hurrikan einschätzen und ob sie vorhaben, sich in Sicherheit zu bringen, dann wurden die Stürme mit weiblichen Namen von den Befragten durchgängig für harmloser gehalten. Die Forscher schlagen daher vor, dass man Stürme zukünftig anders benennen sollte, um mehr Menschenleben zu retten. Sie empfehlen Hurrikanen keine Vornamen mehr zu geben aber auch keine Blumennamen oder Tiernamen, die irgendwelche positiven oder negativen Assoziationen hervorrufen können.

Statistisch signifikant, praktisch aber kaum ein Unterschied

Auch wenn die Befragung zu dem Ergebnis kommt, dass weibliche Stürme als weniger gefährlich eingeschätzt werden, geht es bei der Bewertung durchschnittlich nur um einen halben Punkt Unterschied auf einer 7-Punkte-Skala. 1 bedeutet: der Hurrikan ist überhaupt nicht stark und 7: der Hurrikan ist sehr stark. Männernamen landeten im Ergebnis bei 4,4 und Frauennamen bei 4,2 auf der Skala. Beide werden also als "mittelmäßig stark" eingeschätzt. Die Unterschiede sind also so gering, dass man sie in der Realität vernachlässigen kann.