In Werbespots für Rasierer für Männer sehen wir stahlharte Barthaare. Und bei Rasierern für Frauen? Da wird haarfreie Haut von Haaren befreit. Wie schräg ist das eigentlich? Eine US-Firma macht es anders und sorgt für einen Hype.

Der Werbespot der US-Firma Billie zeigt weibliche Körper mit Haaren - und zwar auf den Beinen, unter den Achseln, auf dem Bauch und in der Bikini-Zone. Dahinter steckt eine ganze Kampagne: Bei "Project Body Hair" sind Frauen mit unterschiedlichen Körperformen und Hautfarben zu sehen - und sie zeigen ihre Körperhaare. In dem Spot heißt es auch, dass es okay ist, sich gar nicht zu rasieren. Aber Ziel ist es natürlich schon, die Rasierer an die Frau zu bringen.

Die Kampagne sorgt für einen Hype, viele Frauen sind begeistert. Im Netz stehen Kommentare wie: Ich fühle mich das erste Mal von einer Werbung verstanden. Oder: Ich rasiere mich selbst nicht, aber ich möchte trotzdem diesen Rasierer kaufen.

Frauen mit Körperhaaren - in der Werbung ein Tabu

Totale Begeisterung, obwohl der Spot doch eigentlich etwas ganz Normales zeigt. Aber gerade das kommt in der Werbung sonst nicht vor. Wenn in Reklame für Rasierer für Frauen überhaupt Körperhaare zu sehen sind, dann als Animation. 

Auch in Deutschland werden weibliche Körperhaare in der Werbung ausgespart. Das stört zum Beispiel Stevie Schmiedel, Geschäftsführerin der Organisation Pinkstinks, die sich gegen Sexismus in der Werbung einsetzt. "Wir sind ja ein ziemlich prüdes Land in vielen Dingen", sagt Schmiedel. In der Reklame gehe es unglaublich clean zu. So werde in der Werbung für Binden immer noch blaues Blut gezeigt.

"Wir zeigen nicht gerne, wie es wirklich ist."

Wenn es um Reklame für Rasierer geht, spielt natürlich auch hier ein zentrales Prinzip der Werbung hinein und das lautet Perfektion. In der Werbung haben generell alle Menschen, die gezeigt werden, perfekte Körper. Diese Wahrnehmung, dass potentielle Kunden vermeintliche Traumkörper sehen wollen, werde nach wie vor an Fachhochschulen und Unis im Bereich Werbung gelehrt, sagt Schmiedel.

"Werbung soll Träume erwecken und Perfektion zeigen, der man nachstreben soll. Das ist nach wie vor das Bild, das wir in der Werbung haben."

Aber vielleicht ändert sich langsam etwas. Vor allem in den USA und Großbritannien entwickelt sich die Werbung teils schon weiter: Es wird mehr Vielfalt gezeigt - nicht alle Körper sind genormt und perfekt. Und manchmal gibt es eben auch Körperhaare zu sehen.

Mehr zum Thema auf Deutschlandfunk Nova:

  • Verzerrte Körperbilder | Auf Instagram und Co sehen alle toll aus. Der Körperwahn auf Social Media kann das eigene Körperbild verzerren
  • Mein perfekt unperfekter Körper | Die Bloggerin Louisa Dellert ist super sportlich, aber auf Instagram zeigt sie auch mal Bauchfalten und kleine Dellen an den Beinen