Gebären muss nicht schmerzhaft sein – zumindest wenn man Tiktok glaubt. Dort wird grad viel Buzz um Hypnobirthing gemacht, also Geburt unter Selbsthypnose. Manche Frauen berichten positiv davon, wissenschaftlich belegt ist die Methode aber nicht.

Geburten sind schmerzhaft. Da klingt so etwas natürlich sehr, sehr verlockend: Selbsthypnose, Wehen easy wegatmen, Kind schmerzfrei gebären, fertig. Das ist das Versprechen von Hypnobirthing. In einer Art Special-Geburtsvorbereitungskursen soll man das trainieren können.

Während reguläre Geburtsvorbereitungskurse bei Hebammen meist von der Krankenkasse übernommen werden, ist das bei Hypnobirthing in der Regel nicht der Fall. Meistens kosten solche Angebote zwischen 200 und 600 Euro, sagt unsere Reporterin Anne-Katrin Eutin.

Keine ausreichende Evidenz für den Effekt von Hypnobirthing

Es gibt zwar ein paar Untersuchungen, die zeigen konnten, dass Frauen unter Hypnobirthing weniger Angst und Stress verspürt haben, sagt der Gynäkologe Ansgar Römer, der in seinem Berufsverband Fachvertreter für das Thema ist. Aber: Die Studienlage sei zu dünn, die Evidenz zu schwach, um sicher sagen zu können, dass der Effekt nachweislich von dieser Methode stammt.

"Dass es genau durch diese Methode bewirkt und ausgelöst wird, dafür ist die Evidenz letztendlich in der Summe zu schwach."
Ansgar Römer, Gynäkologe

Dass Frauen suggeriert wird, man könne durch Hypnobirthing eine schmerzfreie Geburt haben, hält Ansgar Römer deshalb für unseriös – nicht nur, weil die Methode möglicherweise nicht funktioniert, sondern auch, weil sie sogar Schaden anrichten könne.

Manche Frauen versprechen sich sehr viel davon, die Erwartungshaltung ist sehr hoch, sie machen sich Druck. In der Geburtshilfe gebe es häufig die Situation, dass die Gebärenden danach glaubten, sie selbst hätten nicht funktioniert, und "dann sind wir ganz schnell bei dem Thema Geburtstrauma", so der Gynäkologe.

Erwartungshaltung spielt eine zentrale Rolle

Unsere Reporterin Anne-Katrin hat bei ihrer Recherche allerdings auch eine zweifache Mutter getroffen, die sagt, ihr habe Hypnobirthing sehr geholfen, obwohl beide Geburten ganz anders liefen, als sie sich das ursprünglich vorgestellt hatte.

Bei ihrem ersten Kind hatte Janine sehr lange Wehen und schließlich einen Kaiserschnitt, erzählte sie Anne-Katrin. Bei dem zweiten Kind sei die Geburt künstlich eingeleitet worden und alles wahnsinnig schnell gegangen. Es war eher überrumpelnd, so die 30-jährige Berlinerin. Und trotzdem seien es schöne Geburten gewesen – dank Hypnobirthing.

"Ich hatte das Gefühl, dass ich die Schmerzen, die mit der Geburt einhergingen, immer gut verarbeiten und mit den Wehen gut zurechtkommen konnte. Das hat mir sehr geholfen."
Janine, hat bei ihren beiden Geburten Hypnobirthing praktiziert

Janine hatte allerdings vorher auch schon meditiert und war generell offen für das Thema Hypnose, ergänzt Anne-Katrin. Und sie hätte auch gar nicht die Erwartungshaltung gehabt, dass die Geburt schmerzfrei werden würde.

Ihren Hypnobirthing-Kurs hätte sie mit einer anderen Intention gemacht – nämlich der, sich bewusst einen Plan zu machen für die Geburt und davon aber auch auf Alternativpläne auszuweichen, wenn nötig.

"Dadurch, dass ich das im Vorfeld so genau geplant hatte, konnte ich dann während der Geburt total gut loslassen und mich auf alle Unwägbarkeiten, die dann kamen, sehr gut einlassen und die auch im Nachhinein gut verarbeiten."
Janina, hat bei ihren beiden Geburten Hypnobirthing praktiziert

Ihr Hypnobirthing-Kurs hatte also verschiedene Optionen und Unwägbarkeiten berücksichtigt. Ob ihr das geholfen hat oder doch die Selbsthypnose, lässt sich nicht sicher sagen. Genauso wenig, wie man auf valider wissenschaftlicher Grundlage behaupten könnte, dass man dank Hypnobirthing eine schmerzarme oder gar schmerzfreie Geburt haben kann.

Shownotes
Hypnobirthing
Entspannt gebären oder falsche Versprechen?
vom 26. Oktober 2026
Moderation: 
Nik Potthoff
Gesprächspartnerin: 
Anne-Katrin Eutin, Deutschlandfunk Nova