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Ein Jahr ist Trump im Amt – über 600.000 Menschen wurden seitdem abgeschoben. Die US-Einwanderungsbehörde ICE greift hart durch, auch in sogenannten Sanctuary Cities. Wir waren bei Festnahmen, sprechen mit Betroffenen – und mit denen, die Trumps Kurs gut finden.

Gabriela ist 27 Jahre alt. Sie kommt aus Ecuador und hat zwei Kinder. Bei der Einwanderungsbehörde in New York hat sie schon mehrfach versucht, einen Aufenthaltstitel oder Asyl zu beantragen, doch bislang ohne Erfolg.

Zu dem Amt geht sie immer mit einem schlechten Gefühl, denn dort trifft sie oft auf Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE, und die haben eine Menge Befugnisse.

"Es ist nicht fair, dass wir im Schatten leben müssen, in der ständigen Angst, dass uns etwas zustoßen könnte. Wir sind ja genau davor geflohen."
Gabriela aus Ecuador

Migranten, die sich nicht ausweisen können, können die ICE-Beamten in Abschiebehaft stecken. Viele in den USA trauen sich deshalb kaum noch aus dem Haus. Seit der zweiten Amtszeit von Donald Trump hat sich das Vorgehen der Beamten verändert: "Ich würde sagen, es ist brutaler geworden, es ist sichtbarer geworden", so unsere Korrespondentin Giselle Ucar.

Bei den Razzien in den Städten werden viel mehr illegale Migranten festgenommen als früher. "Das sind dann Leute, die teilweise schon Jahre in den USA leben, die vielleicht schon eine Familie gegründet haben und hier arbeiten."

Wie ICE vorgeht, verändert die Stimmung in den USA

In Los Angeles, New York oder zuletzt in Minneapolis kam es zu großen Protesten gegen die Einsätze, die oft überfallartig und gezielt in Vierteln mit hohem Migrationsanteil stattfinden. 2025 hat es, laut der Behörde selbst, mindestens 30 Todesfälle in ICE-Gewahrsam gegeben. "Das sind, um das einzuordnen, mehr Menschen als in den gesamten vier Jahren Amtszeit von Joe Biden verstorben sind in Gewahrsam", sagt Giselle Ucar.

"Wenn hinreichender Tatverdacht besteht, darf ICE sogar ohne Haftbefehl Leute festnehmen und aktiv werden."
Giselle Ucar, ARD-Korrespondentin in New York

ICE ist eine Bundesbehörde, deren Beamte nicht zur lokalen Polizei und nicht zum Justizministerium gehören. Sie gehören zum Department of Homeland Security, also der Heimatschutzbehörde der USA. ICE wurde nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gegründet, um das Land zu schützen. Doch im Moment haben die Beamten vor allem den Auftrag, illegale Migranten aufzuspüren und in Abschiebehaft zu stecken. "Und das hat auch einen Grund", so Giselle Ucar: "Trump möchte als Präsident so viele Menschen pro Jahr abschieben wie noch kein Präsident vor ihm."

Abschiebungen als Chefsache

Über 600.000 illegale Migranten sollen 2025 nach eigenen Angaben durch das Heimatschutzministerium abgeschoben worden sein. Auch in den sogenannten Sanctuary Cities dürfen die ICE-Beamten nun Razzien durchführen und Menschen verhaften, auch wenn es dort ehemals geschützte Orte wie Schulen, Kirchen oder Krankenhäuser gab.

"In letzter Zeit kommt es zu immer mehr Kritik – selbst bei Leuten, die eigentlich Trump-Fans waren."
Giselle Ucar, ARD-Korrespondentin in New York

Dabei werden in den USA seit den tödlichen Schüssen eines ICE-Beamten auf die Aktivistin Renee Good immer mehr kritische Stimmen laut: Selbst Republikaner und Unterstützer Trumps wie der populäre Podcaster Joe Rogan stellen sich nun öffentlich gegen den Präsidenten. Doch Trump reagiert mit noch mehr Härte: Er schickte zuletzt zusätzliche Beamte nach Minneapolis und drohte sogar mit der Entsendung von Soldaten.

Land ist gespalten

Bei aller Kritik gibt es aber dennoch Befürworter Trumps, selbst in New York, wo eine gewisse Anti-Trump-Haltung vorherrscht und es regelmäßig zu Demonstrationen gegen seine Regierung kommt.

Ladenbesitzer Carlos Collado beispielsweise, der vor 50 Jahren selbst aus der Dominikanischen Republik eingewandert ist, ist der Meinung, dass es zu viele Migranten im Land gebe, die es nicht gut meinen: "Wir stecken ein bisschen in einem Dilemma", sagt er, "weil auf der einen Seite werden in diesem ganzen Drama Unschuldige festgenommen. Auf der anderen Seite müssen wir einfach ein paar Leute loswerden, die wir hier nicht gebrauchen können."

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
ICE-Razzien
Ein Jahr Trump, ein Jahr Angst
vom 19. Januar 2026
Moderatorin: 
Ilka Knigge
Gesprächspartnerin: 
Giselle Ucar, ARD-Korrespondentin in New York