Im Kalten Krieg errichteten die Amerikaner ein geheimes Raketenabschuss-Projekt in Grönland. Codename: Iceworm. Doch die Station wurde früh aufgegeben. Jetzt schlummert der radioaktive Müll im Eis. Und das wird schmelzen.

Iceworm war der Codename eines geheimen Programms der US-Army während des Kalten Kriegs. Es sollte eine mobile Abschuss-Station für Nuklearsprengköpfe werden - unter dem grönländischen Eis. Die Raketen hätten von dort Ziele in der UdSSR erreichen können. Damit niemand etwas merkt, baute man dort offiziell noch ein Tarnprojekt für die Klimaforschung mit Namen Camp Century.

"Unter dem Eis gab es Theater, Wohnunterkünfte, ein kleines Hospital - eine kleine Stadt, für rund 200 Leute. Der andere Teil wurde heimlich gebaut. Nach drei Jahren schon stellte man aber fest, dass sich das Eis anders verhält als gedacht."
Dagmar Röhrlich. Wissenschaftsjournalistin

Für das geheime Projekt Iceworm wurde ab 1960 ein 4000 Kilometer langes Tunnelsystem ins Eis gegraben. In der geplanten Endausbaustufe hätte Iceworm etwa das Dreifache der Fläche Dänemarks bedeckt. Aber es kam anders: Da Eis ja ständig in Bewegung ist, gab es immer wieder Beschädigungen am Bau. 1965 stellten die Geologen fest, dass sich das Eis viel schneller bewegt als gedacht und dass die Tunnel und die geplanten Abschussstationen innerhalb von zwei Jahren zerstört werden würden. 1965 wurde die Station evakuiert,1967 abgewickelt.

Gefrorenes Gift

Alles, was nicht geheim war, hat man einfach dort gelassen. Die Annahme: Die schützende Eisdecke wird immer dicker und alles bleibt im ewigen Eis eingeschlossen. Doch da hat man die Rechnung ohne den Klimawandel gemacht. In 90 bis 100 Jahren dürfte das Eis geschmolzen sein, die Umweltverschmutzung beginnt aber schon früher.

"Wenn der Klimawandel langsam voran geht, dann hat man sogar noch bis 2100 Zeit. Aber irgendwann schlägt der Klimawandel zu."
Dagmar Röhrlich, Wissenschaftsjournalistin

Schmelzwasser könnte Schadstoffe schon ins Meer schleppen, noch bevor die gesamte Eisschicht über dem Bau aufgetaut ist, sagt Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich. Und dort unter dem Eis vermutet man Schrott, Diesel, eine unbekannte Menge PCB - also giftige Chlorverbindungen, weil das Militär damals auf PCB-haltige Farben setzte. Dazu kommt radioaktiver Müll, vor allem das Kühlmittel eines Reaktors, das einfach in ein Sammelbecken abgelassen worden war: "Eine große nukleare und chemische Sondermülldeponie" nennt es Röhrlich.

Wer sich nun um die Entsorgung des Mülls kümmern muss, das ist noch nicht klar. "Sicher wird es da politische Kämpfe geben", meint Röhrlich. In Frage kommen Dänemark oder die USA.