Männer bleiben in deutschen Vorständen noch immer zu häufig unter sich. Jeannette Gusko macht der Status quo nervös. Sie möchte Schluss machen mit der grundlosen Bevorzugung einer Minderheit weißer Männer.

Frauen in Führungspositionen sind in Deutschland weiterhin eine Seltenheit. Nur 12,8 Prozent aller Dax-Vorstände sind weiblich. Deutschland entwickelt sich im internationalen Vergleich gegen den Trend. Unter dem Hastag #ichwill sammelt sich gerade erneut Protest gegen diesen Zustand. Auch Jeannette Gusko ist dabei.

Männer-gemachter Status quo

Die Sprecherin des Netzwerks Dritte Generation Ostdeutschland findet den gesellschaftlichen Status quo mit Klimakrise, Herausforderungen der Pflegearbeit, der Digitalisierung und Automatisierung wenig rosig und macht die aktuelle, männlich dominierten Führungs- und Gestaltungseliten dafür verantwortlich.

"Die bisherigen männlichen Führungseliten haben uns zu dem Status quo gebracht, indem wir heute sind."

Sie erinnert daran, dass der passende Gesetzesentwurf zur Erweiterung der bisherigen Quotenregelung längst vorliegt. Er werde aber von einflussreichen Männern blockiert. Sie selbst möchte und kann die statistisch ermittelten rund 100 Jahre nicht abwarten, die es beim jetzigen Tempo etwa bis zur Gleichberechtigung dauern würde.

"Wir sehen seit Jahren der Selbstverpflichtungen immer dieses ganz stark besetzte, mentale Bild, dass Quote und Leistung einander widersprechen würden. Und das stimmt schlicht nicht."

Die westdeutschen, weißen Männer, die heute Macht- und Führungspositionen dominieren, seien eigentlich eine Minderheit. Sie erinnert daran, dass es in Deutschland allein 1,1 Millionen mehr Frauen als Männer gibt. 25 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger hätten einen Migrationshindergrund und 17 Prozent seien ostdeutsch.

Elite mit Männerquote

In Deutschlands Elite herrsche eine Männerquote. Männlichkeit sei die Eigenschaft, die eben zu einer Vorzugsbehandlung in Deutschlands privaten und öffentlichen Unternehmen erforderlich sei. Leistung und Leistungsbereitschaft seien allenfalls nachgeordnete Erfolgskriterien.

"In Deutschlands Elite herrscht eine Männerquote. Das ausschlaggebende Kriterium ist bisher Männlichkeit."