Realfakes sind realistisch anmutende Fälschung eines Menschen im Netz. Victoria Schwartz hat das Buch "Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde" geschrieben – um anderen Menschen ihre Erlebnisse zu ersparen.

Mit ihrem Blog und per Twitter will sie anderen potentiellen Opfern helfen, dem Betrug aus dem Weg zu gehen.

"Die meisten Betroffenen sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Alles Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind und es ganz selbstverständlich nutzen."
Victoria Schwartz

Im Herbst 2011 hat Victoria bei Twitter "Kai" kennengelernt. Sie war vier Monate lang verliebt - er hat ihr sogar teure Geschenke gemacht. Als dann ein Treffen unter dubiosen Umständen platzte, war ihr klar: "Da stimmt was nicht." Dank der Unterstützung eines NEON-Reporters wusste sie im Herbst 2013 dann, dass "Kai" eigentlich Kirsten Hader heißt (Name geändert).

Und dass es sich bei ihr um eine - nach eigenen Angaben - einsame deutschstämmige Psychologie-Dozentin aus einer Kleinstadt in den USA handelt, die angeblich in Victoria verliebt war und sich nicht getraut hat, ihre Homosexualität auszuleben. Das ganze Spiel hat sie allerdings parallel auch noch mit anderen Frauen abgezogen.

Nicht mal eine Aussprache

Victoria hat heute keinen Kontakt mehr zu Kirsten - "natürlich nicht", sagt sie: Diese Frau hätte nur Interesse gehabt, solange sie Oberwasser gehabt hätte. Nicht mal auf eine Aussprache habe sich Kirsten eingelassen. Seitdem Victoria ihre Geschichte publik gemacht und den Blog realfakes.net gestartet hat, bekommt sie viele Zuschriften von Opfern, denen Vergleichbares passiert ist.

"Bei 500 habe ich aufgehört zu zählen. Im Schnitt sind es 1-2 Zuschriften pro Tag."
Victoria Schwartz

Victoria Schwartz ist gelernte Kommunikationsdesignerin und Buchautorin, zurzeit schreibt sie an einem Roman, arbeitet an einer Doku zu Fakes - und betreut eben ehrenamtlich Fake-Opfer. Diese Arbeit möchte sie nicht an andere abgeben, da die Betroffenen, sich gezielt an sie wenden, weil sie wissen, dass sie von ihr verstanden und nicht mit Vorurteilen konfrontiert werden. Einige Fälle sInd sehr zeitintensiv, bei vielen reiche aber schon eine Mail.

Auch Männer als Opfer

Zurzeit meldeten sich nicht nur Frauen, sondern immer häufiger auch Männer bei ihr, die Opfer von Realfakes geworden sind. Das Besondere: Viele der Männer arbeiteten in der Computer- oder IT-Branche, sagt Victoria. Sie selbst hat ihr eigenes Internetverhalten übrigens kaum geändert – ganz bewusst nicht, sagt sie. Sie überlege sich nur, ob Tweets vielleicht zu persönlich sind.

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