Auf den Schwarzmärkten dieser Welt wird mit allem Möglichen gehandelt: Kunst, Drogen – und auch Wein. Der Handel mit gestohlenen Weinflaschen wächst, erklärt Weinexperte Konstantin Baum. Die Schadenssummen sind oft hoch. Die Zahl der Festnahmen der Diebe weniger.

Wein gehört zu den Sachen, die mit ihrem Alter auch an Wert gewinnen. In Hessen haben Diebe rund 500 alte Wein- und Champagnerflaschen aus einem Hotel gestohlen. Manche der Falschen sollen einen Wert von bis zu 18.500 Euro haben. Der geschätzte Schaden beläuft sich zwischen 350.000 und 450.000 Euro.

Weinexperte Konstantin Baum vermutet hinter dieser Aktion eine bestimmte Diebesbande, die sich auf den illegalen Handel von teuern Weinflaschen spezialisiert hat und organisiert vorgeht. Zwar sei unklar, wie groß der Schwarzmarkt dafür ist, aber Fälle wie die des hessischen Hotels würden sich in letzter Zeit häufen.

Wein-Mafia wächst

Die Weinkarten der Restaurants machen es den Dieben einfach: Darüber können sie sehen, welche Flaschen in den Weinkellern der Lokale lagern. Und die sind selten extra abgeschlossen, erklärt der Master of Wine, Konstantin Baum.

"Als Gast kann ich einfach einsehen, was da alles so im Keller schlummert oder mir das sogar per E-Mail zu schicken lassen."
Konstantin Baum, Master of Wine

Wo die Weinflaschen später einmal landen, sei unterschiedlich. Konstantin Baum hält es für wahrscheinlich, dass die Diebe international mit Weinhändlern kooperieren, welche die teuern Flaschen zum Beispiel an Privatsammler verkaufen. Mit dem richtigen Netzwerk ist der illegale Handel für die Diebe relativ einfach, meint Konstantin Baum.

Netzwerk für gestohlenen, teuren Wein

Weine würden oft in einer Auflage von zehntausend oder hunderttausend Stück produziert. Anders als ein Kunstwerk wie die Mona Lisa sind die Weine damit keine Unikate und es sei schwer nachzuverfolgen, ob es sich bei einer Weinflasche um Diebesgut handele.

Hinzu kommt, dass der Polizei in solchen Fällen oft nicht klar ist, wie sie ermitteln soll, sagt der Weinexperte. Das weiß er aus eigener Erfahrung: Bei einem anderen Weindiebstahl hat Konstantin Baum die Polizei als Gutachter unterstützt.

Weinflaschen versichern

Tauchen weder die Weinflaschen noch Spuren zu den Tätern auf, können manche der Betroffenen noch auf eine Entschädigung ihrer Versicherung hoffen. Denn auch Weine können versichert werden. Oft allerdings zum Einkaufspreis, der nur einen Teil der Schadensumme abdeckt. "Mit diesen Weinen ist es so, dass sie über die Jahrzehnte oftmals enorm im Wert steigen", erklärt er.