Es ist eine der gefährlichsten Migrationsrouten: Von Afrika über den Atlantik nach Europa. Immer mehr Boote kommen jetzt auf den Kanarischen Inseln an. Und in Hotels, in denen eigentlich Touristen schlafen, werden die Menschen aus Marokko oder dem Senegal untergebracht.

In der Hafenstadt Arguineguín, im Südwesten von Gran Canaria, ist die Situation derzeit schwierig. Tausende Migranten wurden in den vergangenen Tagen in einer Hafenmole in Zelten untergebracht. Duschen und Klos reichen kaum aus. Sie sind mit Holzbooten von Afrika aus über den Atlantik gekommen, berichtet unser Korrespondent Marc Dugge. Nach ihrer Ankunft werden sie auf Corona getestet, erst dann kommen sie in andere Unterkünfte.

"Es sind immer mehr gekommen in den letzten Tagen. Gerade am Wochenende waren es über 2000."
Marc Dugge, ARD-Korrespondent für Spanien

Die Menschen wagen vermehrt wieder die gefährliche Fahrt über den Atkantik, weil die alten Migrationsrouten, etwa über die Straße von Gibraltar, schwieriger zu passieren sind: Die spanische Küstenwache ist dort unterwegs, ebenso Frontex. Also starten sie in Mauretanien, Marokko oder dem Senegal, um die Kanarischen Inseln und somit Europa zu erreichen.

Auf der Suche nach besseren Perspektiven

Die Gründe für die Überfahrt sind die selben wie eh und je, sagt Marc Dugge. Die Menschen kämen in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Derzeit seien es so viele, weil die Wetterbedingungen es erlauben. Doch keiner könne genau sagen, wie viele auf der Fahrt verdursten oder ertrinken. Nach Informationen der UN-Migrationsorganisation (IOM) sind in diesem Jahr bislang mindestens 414 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen – doppelt so viele wie im Vorjahr.

"Im Moment sind die Meeresbedingungen noch einigermaßen zuträglich, deswegen wagen es gerade so viele. Wie viele es nicht schaffen, werden wir nie erfahren."
Marc Dugge, ARD-Korrespondent für Spanien

Doch Spanien schickt viele der Migranten direkt zurück. An dieser Praxis gebe es derzeit laute Kritik, so Marc Dugge. Spanien hat beispielsweise mit Mauretanien ein Rückführungsabkommen. Diese schnelle Rückführung gab es schon immer, sagt unser Korrespondent. Und er rechnet damit, dass die spanische Regierung weiterhin daran festhalten werde.

"Diese schnelle Rückführung zwischen Marokko und Spanien gab es schon immer."
Marc Dugge, ARD-Korrespondent für Spanien

Wobei die Menschen auf Gran Canaria selbst eher gelassen und freundlich mit den Migranten umgehen, zumindest bislang. Er habe viel Gastfreundschaft und Solidarität erlebt, meint unser Korrespondent. Auf der anderen Seite gebe es aber einen wachsenden Widerstand einiger gegen illegale Migration, befeuert von der spanischen extremen Rechten, so Marc Dugge.