Nachdem die Attentäter von Christchurch, Poway und Halle ihre Manifeste auf 8chan veröffentlicht hatten, war das Imageboard aus dem Netz verschwunden. Jetzt ist es unter neuem Namen wieder da.

Anderes Logo, selber Inhalt: Das Imageboard 8chan ist unter neuem Namen zurück. Im August wurde 8chan aus dem Internet entfernt. Die Attentäter von Christchurch, Poway und Halle – alle handelten aus maßgeblich rechtsextremistischen Motiven – hatten sich nachweislich in den Foren des Imageboards radikalisiert. Jetzt ist ein neues Imageboard unter dem Namen 8kun am Start. Laut dem Blog Netzpolitik.org lasse der Betreiber von 8kun kaum Zweifel daran, dass er seinem alten Imageboard lediglich einen neuen Namen verpasst habe. Einen entscheidenden Unterschied gibt es allerdings doch: Das berüchtigte Unterforum /pol - politically incorrect) gibt es nicht mehr. Dort hatten sich vor allem rechte Verschwörungstheoretiker getroffen.

Ein weiterer Unterschied zu 8chan: Die Seite ist extrem langsam. Heise online schreibt, es sei so gut wie nicht möglich, Beiträge zu veröffentlichen. Das gleiche gelte für die 8kun-Variante im Tor-Netzwerk. Und noch etwas ist neu: Angeblich hat sich der Betreiber von 8kun mit den US-Behörden geeinigt und eine Art Abschaltfunktion eingeführt. Das heißt im Notfall kann das Imageboard in einen schreibgeschützten Modus versetzt werden, in dem keine Beiträge veröffentlicht werden können.

"Die Frage ist aber, ob 8kun im jetzigen, wirklich sehr langsamen Zustand, überhaupt das Zeug dazu hätte, ein neues 8chan zu werden."
Martina Schulte, Netzreporterin für Deutschlandfunk Nova

Ob sich 8kun durchsetzen kann, wenn es weiterhin so langsam ist, daran hat Netzreporterin Martina Schulte so ihre Zweifel. Der Grund für das Schneckentempo ist, dass viele Menschen aktiv verhindern wollen, dass 8kun zurückkommen kann. Ganz vorne mit dabei der ehemalige Gründer von 8chan, Patrick Brennan. Der hat sich mittlerweile von seiner Schöpfung distanziert. Brennan war schon vor den Terroranschlägen bei 8chan ausgestiegen und hatte das Imageboard an den Unternehmer und Ex-Armee-Veteranen Jim Watkins verkauft.

Brennan findet allerdings nicht gut, wie Watkins 8chan führt – und setzt deshalb alles daran, sein eigenes Werk wieder zu zerstören. Er bereut es, dass er 8chan im Jahr 2013 gegründet hat. Zumindest sagt er das in vielen TV-Interviews. Er bereue vor allem, dass auf 8chan Nazi-Ideologie verbreitet werde und sich dort Menschen radikalisieren. Deshalb setzen er und viele andere das Netzwerk mit digitalen Angriffen massiv unter Druck. Als Erfinder kennt Brennan die alte 8chan Software sehr gut und verfolgt intensiv, wo im Netz sich das Imageboard neu zu gründen versucht.

Netzanbieter und Betreiber an Verantwortung erinnen

Sobald es Hinweise auf eine Neugründung gibt, informieren Brennan und alle, die ihm helfen, die Anbieter von Internet-Infrastrukturen – also Netzbetreiber und Provider. Brennan ist es schon mehrfach gelungen diese Betreiber dazu zu bewegen, die Verträge mit 8chan – oder jetzt auch 8kun – zu kündigen. Und damit hat das Imageboard niemanden, der die Seite von Angriffen aus dem Netz schützt. In der Regel sind das Denial of Service Attacken. Das heißt, es werden so viele gleichzeitige Anfragen an den Server geschickt, dass dieser zusammenbricht. Vor diesen Angriffen schützen unter anderem Provider und Netzbetreiber die Anbieter einer Webseite.

Ohne die entsprechenden Verträge liegt die Seite quasi ungeschützt im Netz und ist leicht angreifbar. Und das macht sie am Ende so langsam, dass sie im Prinzip unbrauchbar wird. Es sei denn, man wünscht sich zurück ins 56k-Modem-Zeitalter. Die Geschichte zeigt auf jeden Fall eindrücklich, dass es möglich ist, solchen Hassboards im Netz das Leben schwer zu machen, sagt Netzreporterin Martin Schulte. Zumindest dann, wenn Betreiber von Servern, Leitungen oder Dienstleister, die Webseiten vor Hacking schützen, mitziehen. Diese Firmen hätten eine große Verantwortung und es scheint, als würden viele die mittlerweile ernst nehmen.