Einerseits sinkt die Inzidenz, andererseits wächst die Nervosität: Die Delta-Variante geht rum. In Großbritannien ist sie schon ziemlich verbreitet. Immunologe Carsten Watzl erklärt, worauf es ankommt, damit die Infektionen in Deutschland nicht wieder steigen.

Für SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist es "ein perfekter Sturm", der sich für den Herbst aufbaut. Carsten Watzl, Immunologe an der Technischen Universität Dortmund, teilt die Sorge, was den Herbst betrifft. Was die aktuelle Entwicklung (Stand 16.06.2021) angeht, ist er angesichts der Berichte des Robert Koch-Instituts zur Infektionslage erst mal entspannt. Zwar habe sich der Anteil der Delta-Variante im Vergleich zur Vorwoche verdoppelt, der Anteil an absoluten Infektionen, auch bei der Delta-Variante, sei aber immer noch rückläufig.

Keine gute Kombi: Delta-Variante, Herbst und zu wenig Impfschutz

Grund für die kritische Sicht auf den Herbst ist die Tatsache, dass die Delta-Variante ansteckender sei als die jetzt vorherrschende Alpha- beziehungsweise ehemalige britische Variante. Daher schlussfolgert Carsten Watzl, "gehe ich davon aus, dass die Delta-Variante sich im Herbst, wenn die Infektionszahlen wieder hochgehen, ausbreiten wird."

"Ich glaube, dass wir im Sommer mit der Delta-Variante kein Problem haben werden. Aber bezüglich des Herbsts sehe ich das etwas kritischer."
Carsten Watzl, Immunologe

Die Frage, ob es genug Impfstoff geben wird

Was die Ausbreitung der Variante aller Voraussicht erschweren werde, wäre, wenn bis zum Herbst so viele Menschen wie möglich die zweite Impfung bekommen hätten. Denn nach aktuellem Stand sei man, so Carsten Watzel, beim Delta Virus erst wirklich gut geschützt, wenn man beide Impfungen bekommen hat. Außer bei Johnson und Johnson, wo nur eine Impfung nötig sei.

"Wenn im Herbst nicht genügend Leute eine zweiten Impfung haben, können wir dadurch wirklich ein Problem bekommen."
Carsten Watzl, Immunologe

Angesichts dessen dürfte die Nachricht beunruhigen, dass Biontech-Pfizer für Juli weniger Impfstofflieferung angekündigt hat. Die Hersteller Johnson & Johnson und Moderna könnten die Lieferungen nicht aufstocken. Der Vertrag mit Astrazeneca hingegen läuft Ende Juni aus. Die Bundesregierung wird sich da was überlegen müssen.