Manche waren schon zwei Mal mit dem Coronavirus infiziert, andere noch gar nicht. Woran das liegt, dafür haben Forschende mehrere Erklärungen. Diese könnten in Zukunft auch dabei helfen, ein Medikament gegen das Coronavirus zu entwickeln.

"Das kann eigentlich gar nicht sein. Spätestens nach diesem Abend hätte ich positiv werden müssen!" Was viele von uns schon im Freundeskreis diskutiert haben, wird jetzt auch von mehreren Studien bestätigt: Ja, es gibt Menschen, die sich nicht infizieren, obwohl sie es eigentlich müssten.

Das sagt beispielsweise die Wissenschaftlerin Martina Prelog von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Sie geht davon aus, dass in den meisten Fällen dann schon ein Kontakt mit dem Virus stattgefunden hat und das Immunsystem dieser Personen es geschafft hat, das Virus so schnell zu eliminieren, dass Antigentests gar nicht erst angesprungen sind.

"Oftmals schaffen es diese Personen einfach, das Virus so rasch zu eliminieren, dass letztendlich Antigentests gar nicht anspringen und nicht positiv werden, da einfach nicht die ausreichende Antigenmenge erreicht wird."
Martina Prelog, Fachimmunologin bei der Deutschen Gesellschaft für Immunologie

Warum das Immunsystem so schnell reagieren und das Virus eliminieren kann, dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze in der Forschung.

Kreuzimmunität durch andere Coronaviren

Eine Erklärung ist, dass die betroffene Person möglicherweise eine Kreuzimmunität entwickelt hat, da sie zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal Kontakt mit einem anderen Coronavirus hatte. Denn es gibt noch mindestens vier Coronaviren, die normale Erkältungen auslösen können. War man davon schon einmal betroffen, könnten die schon vorhandenen Antikörper auch vor Sars-CoV-2 schützen. Das könnte laut der Forschenden sogar auch schon bei bestimmten Grippeviren funktionieren.

"Es gibt ja noch mindestens vier Coronaviren, die normale Erkältungen machen. Und wenn man so was schon mal hatte, dann schützen bei einigen Menschen eventuell noch vorhandene Antikörper zum Teil auch vor Sars-CoV-2."
Julia Polke, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Bei einer Kreuzimmunität sind die Antikörper gegen andere Viren vor allem im Blut. Vermutlich sind aber die T-Zellen – unser Immungedächtnis – für eine Immunität verantwortlich. Sie erkennen bestimmte Erreger, wenn der Körper schon einmal mit ihnen konfrontiert war.

Hatte man also schon mal Kontakt zu einem Erkältungs-Coronavirus, könnten die T-Zellen teilweise auch Sars-CoV-2 wiedererkennen und die infizierten Zellen zerstören sowie neue Antikörper bilden.

Abhängig von der Tageszeit

Eine andere Erklärung: Eine günstige Tageszeit könnte das Anstecken verhindern. Denn unser Immunsystem regeneriert sich -so wie viele andere Organe und Körperfunktionen auch - über Nacht. Bedeutet: Morgens ist es besonders fit. Treffen wir also morgens auf eine infizierte Person, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass unser Immunsystem das Virus sofort ausschalten kann als am Abend. Verlassen sollte man sich auf diese Theorie aber nicht, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Julia Polke.

Genetisch bedingte Immunität

Andere Forschende gehen davon aus, dass auch genetische Ursachen dahinter stecken könnten. Beispielsweise könnte unser Körper genetisch bedingt besonders viele Entzündungsbotenstoffe ausschütten, die dann wiederum andere Zellen aktivieren, die das Virus schnell bekämpfen können.

Eine weitere genetisch bedingte Ursache könnte auch sein, dass manchen Menschen die Andockstelle für das Virus fehle, über die es die Zellen dann weiter angreife. Diesen Fall gab es beispielsweise bereits ganz selten bei HIV.

Hilfreiche Erkenntnisse für Medikamenten-Forschung

Die Forschung darüber, warum sich manche Menschen nicht anstecken, kann vor allem nützlich sein, um ein Medikament und gezielte Therapien gegen Sars-CoV-2 entwickeln zu können, sagt Immunologin Martina Prelog.

"Abgeleitet von diesen Ergebnissen kann mann dann auch gezielt Therapieziele entwickeln, Moleküle entwickeln, die diese Faktoren positiv beeinflussen können. Ich denke, es wird in diese Richtung gehen."
Martina Prelog, Fachimmunologin bei der Deutschen Gesellschaft für Immunologie