In Hausarzt-Praxen wird schon länger gegen Covid-19 geimpft. Eine Hausärztin sagt: Wir brauchen mehr Biontech-Impfstoff, sonst bremst das den Impffortschritt.

Neben Impfzentren wird inzwischen auch in viele Hausarzt-Praxen geimpft. Sie sind grundsätzlich frei in der Entscheidung, wen sie mit welchem Impfstoff impfen. Generell gilt die Empfehlung, dass der Biontech-Impfstoff eher für die Jüngeren und der Astra-Zeneca-Impfstoff eher für die Älteren eingesetzt wird.

Dass nun der komplette Biontech-Impfstoff vorwiegend für die Jüngeren verwendet wird, klappt aber nicht, sagt Jana Husemann, Hausärztin und Vorsitzende des Hausärzteverbands Hamburg. Denn:

  • Viele auch Ältere wollen lieber den Biontech- als den Astra-Zeneca-Impfstoff. Den Wunsch abzulehnen, klappt nicht immer, weil der organisatorische Aufwand für die Terminvergabe dann nicht mehr leistbar ist. "Das Impfen kommt auf den normalen Praxisalltag oben drauf", sagt Jana Husemann. Manche Praxen würden das aber streng handhaben: Wenn Ältere den Astra-Zeneca-Impfstoff ablehnen, müssen sie sich hinten anstellen.
  • Zudem sind vor einigen Wochen viele ältere Menschen mit dem Biontech-Impfstoff geimpft worden. Jetzt steht die Zweitimpfung an, die einen großen Teil der verfügbaren Impfdosen einnimmt.

Jana Husemann sagt: Wir brauchen jetzt vor allem Biontech-Impfstoff - zum einen für die Zweitimpfungen, zum anderen für die jüngeren Menschen. "Mit den Über-60-Jährigen sind wir jetzt langsam durch." Wenn nicht mehr geliefert würde, dann "bremst uns das total aus".

"Als wir einmal nur Astra-Zeneca an einem Tag hatten, hat das viele, viele Stunden gedauert, bis wir die Termine voll hatten."
Jana Husemann, Hausärztin und Vorsitzende des Hausärzteverbands Hamburg

Welchen Effekt eine komplette Abschaffung der Impf-Priorisierung und damit Öffnung der Impfmöglichkeiten für alle haben könnte, kann Jana Husemann schwer einschätzen. Sie konnte bisher jedenfalls noch kein verstärktes Interesse der Unter-60-Jährigen an einer Impfung feststellen.

"Bei uns in der Praxis merken wir da nicht unbedingt ein Rieseninteresse bei den Unter-60-Jährigen."
Jana Husemann, Hausärztin und Vorsitzende des Hausärzteverbands Hamburg