Seit einer Woche dürfen nun auch Hausärztinnen und -ärzte gegen Corona impfen – mit großem Erfolg. Die Impfkampagne nimmt dadurch auch in Deutschland Fahrt auf. Es gibt zwar noch kein Impfangebot für alle, doch von der Impfreihenfolge kann nun abgewichen werden – damit keine Impfdosis ungenutzt verloren geht.

Viele wollen sich gerne impfen lassen, doch immer noch gibt es nicht genügend Impfstoff. Deshalb haben – nach wie vor – bestimmte, gefährdete Gruppen Priorität – sie sollen zuerst geimpft werden. Das Problem: Weil von dieser Reihenfolge nicht abgewichen werden durfte, blieben einige Impfdosen liegen.

Impfreihenfolge gilt bundesweit

Inwieweit die Corona-Impfungen organisiert werden, regelt jedes Bundesland selbst. An manchen Orten müssen sich Impfwillige selbst um einen Termin kümmern, in anderen werden sie kontaktiert. Die Impfreihenfolge mit drei Priorisierungsgruppen dagegen gilt bundesweit. Allerdings darf von ihr abgewichen werden, damit keine Impfdosen verloren gehen.

"Die Empfehlungen gelten – sind aber nicht rechtlich bindend. Die Ärztinnen haben weitere Kriterien, weil sie näher an den Menschen arbeiten. Das ist politisch auch gewünscht."
Grit Eggerichs, Deutschlandfunk Nova

Inzwischen werden fast 30 Prozent der Impfungen in Deutschland in hausärztlichen Praxen verabreicht. Das bedeutet für viele Menschen, die in keiner Priorisierungsgruppe sind, bessere Chancen zu haben, an einen spontanen Impftermin zu kommen.

Priorisierung auch unter Impfwilligen

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs hatte Glück: Eigentlich ist sie noch zu jung und leidet auch nicht an einer Vorerkrankung, trotzdem konnte sie sich nun impfen lassen. Sie hat ihrer Hausärztin mitgeteilt, dass sie im Fall, dass eine Impfdosis übrig bleibt schnell da sein könnte. Allerdings hieß es da, auch das könne lange dauern, denn auch unter den Impfwilligen wird priorisiert

"Ich mach einen eigenen Impfplan. Ich will die arbeitende Bevölkerung impfen, die Träger der Gesellschaft. Außerdem mache ich Cluster: Wer wen pflegt, wer wen braucht, wer welche Krankheiten hat."
Hausärztin aus Berlin (will namentlich nicht genannt werden)

Unsere Reporterin war dann doch schneller dran als gedacht. Denn in ihrem Viertel ist der Anteil älterer Menschen, die bereits geimpft sind oder einen Impftermin haben, hoch. Alle Patientinnen und Patienten ihrer Hausärztin waren bereits versorgt. Wenn Impfdosen übrig bleiben, dürfen die Hausärztinnen und -ärzte selbst eine Priorisierung vornehmen.

"Bayern hat schon Anfang April flächendeckend auch über die Arztpraxen impfen lassen – die anderen Länder machen das erst seit knapp zwei Wochen."
Grit Eggerichs, Deutschlandfunk Nova

Außerdem wohnt Grit Eggerichs in Berlin – hier sind bereits 17 Prozent der Bevölkerung geimpft oder haben einen Impftermin in Aussicht. Die Impfdosen werden vom Bund anhand der Bevölkerungszahl an die einzelnen Bundesländer verteilt, doch die Organisation unterscheidet sich sehr.

Einige Bundesländer haben bereits im Dezember angefangen mit mobilen Teams zu impfen, in Bayern durften die hausärztliche Praxen früher loslegen als in anderen Bundesländern. Trotzdem sind die Unterschiede nicht riesig: In allen Bundesländern sind bereits zwischen 15 und 20 Prozent der Bevölkerung geimpft.