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Nur 3,5 Prozent der Menschen in Afrika sind vollständig gegen Corona geimpft. "Das ist unsolidarisch. Und trägt nicht zu einer effektiven Eindämmung der Pandemie bei", sagt Elisabeth Massute von Ärzte ohne Grenzen. Dabei gäbe es Lösungen.

Ihre Organisation fordert als Teil eines internationalen Bündnisses mehr Covid-19-Impfstoffe weltweit sowie die Aufhebung der Patente für die Impfstoffe. Mit einer weltweiten Aktionswoche, die noch bis zum 21. September läuft, wollen sie Politiker und Politikerinnen zum Handeln bewegen. An dem Bündnis beteiligen sich rund 75 Hilfsorganisationen.

Impfstoffe sind ungleich verteilt

Aktuell sind zwei Prozent aller Impfstoffe, die weltweit verimpft wurden, in Afrika verabreicht worden, so Elisabeth Massute von Ärzte ohne Grenzen. Auf dem Kontinent leben aber 1,3 Milliarden Menschen und damit über 17 Prozent der Bevölkerung weltweit. 3,5 Prozent der Bevölkerung in Afrika sind vollständig geimpft. In Deutschland sind es gut 62 Prozent.

"3,5 Prozent der Menschen in Afrika sind vollständig geimpft."
Elisabeth Massute, Ärzte ohne Grenzen

Diese Unterschiede bei der Impfquote betreffen nicht allein Afrika, sondern auch Teile Lateinamerikas und Asiens, so Elisabeth Massute.

Und das hat Konsequenzen. "In Afrika haben wir den Sommer über gravierende Anstiege bei den Infektionszahlen durch die Delta-Variante gesehen", sagt sie. "Auch die Todeszahlen sind gestiegen." Doch die Zahlen sind kaum belastbar. Zum Beispiel ist die Dunkelziffer bei den Infektionen hoch. Es fehlt nicht allein an Impfstoffen, sondern auch an Corona-Tests.

Covax funktioniert bislang nicht

Im April 2020 wurde Covax ins Leben gerufen. Mit der Initiative sollten Impfstoffe eingekauft und weltweit verteilt werden. "Leider haben sich viele reiche Länder schnell dagegen entschieden", sagt Elisabeth Massute. Für Covax blieben nur geringe Impfstoffmengen übrig. Viele reiche Länder hätten lieber bilateral verhandelt, statt sich an der internationalen Initiative zu beteiligen. "Die Verteilung lief langsam an und bleibt weit hinter den Zielen zurück."

"Viele Länder – gerade ärmere Länder – warten weiterhin vergeblich auf Impfstoffdosen."
Elisabeth Massute, Ärzte ohne Grenzen

Diese langsame und stockende Verteilung kritisiert das Bündnis. Das sei unsolidarisch. Außerdem lasse sich so eine Pandemie nicht effektiv eindämmen. Denn aus medizinischer Sicht ist es wichtig, viele Menschen weltweit zu impfen. Ansonsten sind weiterhin Infektionen möglich und das Virus kann mutieren.

Technologie muss geteilt werden

Das Bündnis fordert aber auch, dass die Patente für die Covid-19-Impfstoffe aufgehoben werden. Nicht allein der Impfstoff soll besser verteilt werden, auch die Technologie soll geteilt werden.

"Ebenso muss Technologie geteilt werden, damit weltweit Impfstoff produziert werden kann."
Elisabeth Massute, Ärzte ohne Grenzen

Denn es sei möglich, in allen Teilen der Welt mRNA-Impfstoffe zu produzieren. Deshalb müssten die Patente aufgehoben werden, um in vielen Ländern vor Ort zu produzieren, so Elisabeth Massute.