Der Impfschutz nimmt stetig ab. Eine israelische Studie hat verschiedene Altersgruppen und deren Infektionsrate über einen längeren Zeitraum
untersucht und liefert genauere Zahlen.

Die Impfung gegen das Coronavirus schützt zum Teil vor einer Ansteckung, aber vor allem gegen einen schweren oder gar tödlichen Verlauf, wenn wir an Covid-19 erkranken. Allerdings gibt es keinen kompletten Schutz. Wir können uns trotz Impfung infizieren. Hinzu kommt, dass der Impfschutz stetig über Wochen und Monate abnimmt.

Daher empfehlen Experten und Expertinnen, dass wir uns nach sechs Monaten erneut impfen lassen. Eine israelische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Impfschutz schon früher deutlich nachlassen kann.

Corona trotz vollständigem Impfschutz

Für die Studie wurden Daten der Krankenkassen von mehr als 80.000 Menschen ausgewertet, die alle zweimal mit dem Impfstoff Biontech geimpft wurden. Davon haben sich fast 10 Prozent mit dem Coronavirus infiziert, nachgewiesen mit einem positiven Ergebnis eines PCR-Tests.

Die Forschenden wollten herausfinden, wann die Infektionen erfolgt sind und in welcher Altersgruppe sie vorkamen. Die Auswertung gibt aber auch Aufschluss darüber, ab welchem Zeitraum der Impfschutz deutlich nachlässt und wie sich das bei unterschiedlichen Altersgruppen verhält.

Nach drei Monaten steigt die Ansteckungsrate

Laut Studie ist der Schutz in den ersten drei Monaten sehr gut. In dieser Zeit haben sich 1,3 Prozent der doppelt Geimpften angesteckt. Diese Infizierten haben meist keine Symptome gezeigt.

Nach drei Monaten ist die Ansteckungsrate merklich angestiegen. Zwischen dem vierten und fünften Monat nach der Impfung waren die Geimpften noch gut geschützt. Es haben sich durchschnittlich weniger als 4 Prozent von ihnen angesteckt.

Besonders deutlich war aber der Anstieg, wenn die Zweitimpfung länger als fünf Monate zurückgelegen hat. Der Präsident der Intensivmedizin in Deutschland fordert, eine Booster-Impfung schon nach fünf Monaten zu empfehlen. Das würde den Ergebnissen dieser Studie entsprechen.

Aber auch wenn wir erst sechs Monate nach der letzten Impfung einen Termin bekommen, sind wir damit noch gut in der Zeit. Denn in diesem Zeitraum liegt die Infektionsrate im Schnitt bei 10 Prozent.

Boostern für jedes Alter sinnvoll

Bisherige Studien waren zu dem Ergebnis gekommen, dass der Impfschutz vor allem bei Älteren schneller nachlässt. Die PCR-Zahlen aus der israelischen Studien geben aber Hinweis darauf, dass eher die Jüngeren von Infektionen betroffen sind. Bei den 18- bis 39-Jährigen haben sich nach fünf Monaten mehr als 13 und nach sechs Monaten 19 Prozent infiziert.

Von den doppelt Geimpften über 60 Jahren infizierten sich nach fünf Monaten nur gut 5 und nach sechs Monaten knapp 12 Prozent.

"Laut den Ergebnissen dieser Studie ist es wohl nicht verkehrt, schon nach fünf Monaten zu boostern."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova-Reporterin

Das bedeutet, von den jüngeren Probanden hat sich ein halbes Jahr später oder noch später fast jeder Fünfte mit Corona infiziert. Daher sagen die Forschenden: Boostern ist auf jeden Fall sinnvoll – egal ob jung oder alt.

Übertragbarkeit der Daten auf Deutschland

Die Daten der Studie beziehen sich nur auf Menschen, die zweimal mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft wurden. Zwar ist die Mehrheit in Deutschland ebenfalls mit Biontech geimpft worden. Allerdings wäre auch wichtig gewesen zu wissen, wie stark die doppelt Geimpften erkranken. Das wurde in dieser Studie nicht aufgeschlüsselt.

Impfschutz-Rechner bietet eine grobe Orientierung

Wer ungefähr einschätzen möchte, wie gut er oder sie noch vor einer Infektion, beziehungsweise einem schweren Verlauf, geschützt ist, kann den Impfschutz-Rechner, den der Tagesspiegel online gestellt hat, nutzen.

Hier könnt ihr eintragen, wie lange eure letzte Impfung her ist. Je nach Impfstoff und Zeitraum werden ungefähre Prozentwerte angezeigt.

Diese Rechnung basiert allerdings nicht auf den Studienergebnissen aus der israelischen Studie, sondern auf Daten aus Schweden. Die Prozentzahlen aus dem Impfschutzrechner sind nur zur groben Orientierung gedacht.

"Der Tipp: Bei Haus- und Fachärzten wie HNO oder Gynäkologen anrufen und fragen, ob die auch schon nach fünf Monaten impfen, manche machen das tatsächlich."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova-Reporterin