Binge-Watching können manche Menschen nicht einfach abschalten, obwohl es ihnen nicht guttut. Das kann mit der Persönlichkeit zusammenhängen. Es gibt aber auch andere Faktoren, die eine Rolle spielen. Forschende haben untersucht, ab wann Bingen ungesund werden kann.

Nach einem anstrengenden Tag sich auf die Couch werfen, auf Knopfdruck ab- und Lieblingsserie anschalten - so läuft es bei manchen Menschen ab. Schnell hänge dann aber manche zwei, drei Stunden oder mehr so ab, weil sie sich eine Folge nach der anderen ansehen.

Wenn Leute aber den Ausschaltknopf gar nicht mehr finden, nur um noch diese eine Folge zu Ende zu sehen, und so stattdessen sich die Nacht um die Ohren schlagen, kann sie das am Ende noch unzufriedener machen als vorher.

Binge-Watching: Vom Zeitvertreib zur Sucht

Ein Team von polnischen Forschende hat in einer Studie untersucht, wann Binge-Watching nicht mehr nur ein netter Zeitvertreib ist, sondern problematisch wird.

Sie haben sich angesehen, welche Menschen anfällig für exzessives Bingen sind, das heißt, die Fälle, in denen es zur Sucht werden kann.

"Die Forschenden sagen, dass es ab dann problematisch wird, wenn du immer weiter schaust, obwohl du merkst: Du solltest jetzt aufhören und mal was anderes machen, zum Beispiel ins Bett gehen, aber das schaffst du nicht."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova-Reporterin

Das Forschungsteam hat mehr als 600 Studierende in Polen befragt, die zwischen 18 und 30 Jahre alt sind. Ausgewählt haben sie diejenigen, die angeben hatten, dass sie mehr als zwei Folgen nacheinander schauen. Die meisten haben angegeben, dass sie zwei bis fünf Folgen am Stück schauen. Dagegen schauen 18 Prozent der Teilnehmenden sogar fünf bis zwanzig Episoden nacheinander.

Die Probanden haben außerdem angegeben, dass sie in der Regel fünfmal pro Monat durchschnittlich vier Folgen sehen.

Die Untersuchung wurde während der Corona-Pandemie durchgeführt. Es könnte sein, dass dadurch die Ergebnisse verzerrt sein könnten, weil Menschen in diesem Zeitraum generell mehr gestreamt haben.

Negative Auswirkung auf viele Lebensbereiche

Ergebnisse aus früheren Studien hatten bereits gezeigt, dass Bingen sich auf unterschiedliche Lebensbereiche negativ auswirken kann, wenn wir zu oft zu viele Folgen am Stück anschauen. Unter anderem kann es dazu führen, dass wir schlechter schlafen, uns ungesünder ernähren, weniger unternehmen oder weniger bei der Arbeit oder an der Uni leisten können.

"Die Forschenden sagen, dass es ab dann problematisch wird, wenn du frustriert und traurig bist, wenn du mal nicht gucken kannst."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Viel Bingen-Watching könnte zu einem gewissen Teil mit unserer Persönlichkeit zusammenhängen. Das legt zumindest die Studie nahe. Menschen, die beispielsweise eine geringe Impulskontrolle aufweisen, sehen sich auch mehr Folgen am Stück an.

Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle, wie zum Beispiel wodurch Binge-Watching ausgelöst wird. Das heißt, ob wir viele Episoden einer Serie ansehen, um vom Alltag abzuschalten, um uns zu entspannen oder um Neues zu erfahren.

Wenn es uns beispielsweise frustriert oder traurig macht, wenn wir einmal keine Serien schauen können oder wir einfach kein Ende finden können, sprechen die Forschenden von einem Kontrollverlust.

Entscheidend ist, was das Bingen mit uns macht

Ab wann Binge-Watching problematisch wird, haben die Forschenden nicht genau definieren können, weil es noch zu wenig Erkenntnisse darüber gibt. Entscheidend sei, was das Binge-Watching mit uns macht, ob wir uns danach besser oder eher schlechter fühlen, weil wir unseren Alltag nicht mehr gut regeln können.

Als problematisch gilt es dann, wenn:

  • wir mit dem Binge-Watching etwas kompensieren wollen - zum Beispiel Einsamkeit
  • wir es nicht tun wollen, aber nicht damit aufhören können, obwohl negative Konsequenzen zu erwarten sind

Die Forschenden haben sich auch angesehen, was gegen zu viel bingen helfen könnte: Beispielsweise könnten die Anbieter von Serien Cliffhanger - also, den offenen Ausgang einer Folge auf ihrem Höhepunkt - nicht ganz so spannend gestalten. Das ist aber eher unrealistisch, weil der Erfolg einer Serie darauf basiert, dass wir erfahren wollen, wie sich die Geschichte weiter entwickelt.

Ein anderer Vorschlag wäre, dass das Abspielen der folgenden Episode nicht automatisch während des Abspanns einer Folge erfolgt. Die Forschenden empfehlen auch, dass die Streaming-Plattformen einige Sekunden zwischen dem Ende und dem Anfang einer Folge einbauen könnten, damit Zuschauende kurz Zeit haben zu überlegen, ob sie weiterschauen wollen.

Bei vielen Streaming-Anbietern und Mediatheken haben wir auch selbst die Möglichkeit, einzustellen, dass die Folgen nicht automatisch abgespielt werden. Das kann uns auch dabei helfen, unser Binge-Watching-Verhalten zu kontrollieren.