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Schutt und Staub und ein paar neue Brücken: Eindrücke aus den Flutgebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Die Bautrockner laufen noch.

Immerhin lässt sich das andere Ufer wieder mit dem Auto erreichen. Unmittelbar nach der Flut im Sommer waren die Menschen in Bad Neuenahr auf ein Paddelboot des Technischen Hilfswerks angewiesen.

"Die Leute können wieder aus den südlicheren Teilen der Stadt ins Stadtzentrum", sagt Martin Schütz. Von normalem Leben könne aber keine Rede sein, sagt der Deutschlandfunk-Nova-Reporter. Er kommt aus der Stadt an der Ahr.

Zwar sind gibt es wieder Strom und Wasser, aber Gas liegt erst wieder bis in den Nachbarort Heimersheim. Im November könnte die Gasversorgung wieder funktionieren, vermutet Martin.

"Bis November soll das Gasnetz halbwegs in Ordnung sein, sodass die Leute wenigstens heizen können und den Winter irgendwie überstehen können."
Martin Schütz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Weiterhin bestimmen Staub, Schutt und Autowracks das Stadtbild. Viele Fassaden dort sind jetzt mit statischen Angaben besprüht, zwischen den Gebäude klafft manche Lücke.

"Es gibt schon Baulücken, weil Gebäude abgerissen wurden, deren Statik nicht mehr in Ordnung war oder die unterspült wurden oder bei denen die Flut Teile der Fassade weggerissen hat."
Martin Schütz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Immerhin haben ein Metzger und eine Apotheke wieder geöffnet – allerdings nur in Containern. In naher Zukunft soll ein bisschen Einzelhandel in Zelten zurückkommen, berichtet Martin.

Bald werde auf einem Parkplatz eine Art Ladenstadt in großen Zelten eröffnet, sodass die Menschen sich wieder zentral versorgen können.

Campingplatz als Familienunterkunft

Felicitas Boeselager war in den Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen unterwegs. Insgesamt fehlen dort Handwerkerinnen und Handwerker besonders und Elektroöfen. Am dringlichsten ist allerdings die Wohnraumnot.

Felicitas hat eine Familie getroffen, die seit zweieinhalb Monaten auf einem Campingplatz lebt: zwei Erwachsene und drei Kinder. Sie haben keine eigene Dusche und ihre Behausung lässt sich kaum heizen.

Feuchtigkeit in den Mauern

Andere Betroffene mussten Wohnungen anmieten oder leben im Dachgeschoss ihres Hauses, berichtet Felicitas. Sie ist gerade aus Odendorf
am Orbach zurückgekommen. Das liegt rund 30 Kilometer entfernt im Nordwesten von Bad Neuenahr.

"In vielen Häusern laufen immer noch die Trocknungsgeräte. Da kann man noch gar nicht richtig anfangen, wiederaufzubauen."
Felicitas Boeselager, Dlf-Korrespondentin für Nordrhein-Westfalen

Vor Ort kommen viele Menschen vor Erschöpfung und wegen psychischer Probleme nicht mit der Antragsstellung hinterher. Felicitas sagt: "Die Menschen verzweifeln zum Teil echt an den Anträgen, weil die sehr kompliziert sind."

Seit etwa Mitte Oktober können in Nordrheinwestfalen Hilfsanträge ausgefüllt werden. Diese seien allerdings mit gutem Grund etwas komplizierter, weil es eben um viel Geld geht.

Felicitas Boeselager, Dlf-Korrespondentin für Nordrhein-Westfalen – das Gespräch mit ihr, könnt ihr mit einem Klick auf Play nachhören.
"Es gibt vor Ort eine diffuse Angst vor diesen behördlichen Formularen."

Unser Bild zeigt die Ahrtorbrücke bei Ahrweiler – errichtet vom Technischen Hilfswerk, aufgenommen am 29.09.2021.

Ahrtorbrücke bei Ahrweiler – errichtet vom Technischen Hilfswerk
© dpa | Thomas Frey
Ahrtorbrücke bei Ahrweiler – errichtet vom Technischen Hilfswerk