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Donald Trump hat in seiner Amtszeit einen neuen Politikstil geprägt: den Trumpismus. Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller erklärt, wie sich der Trumpismus entwickelt hat. In seinem Vortrag beschreibt er die Schwachstellen des politischen Systems in den USA, die Donald Trump geholfen haben.

Trumpismus ist keine politische Philosophie, erklärt der Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller. Trumpismus sei ein Politikstil, der die Schwachstellen im politischen System der USA und im Mediensystem für sich nutzen würde.

"Trumpismus ist eine Art Repertoire an Taktiken, die sich die Schwachstellen des politischen Systems und des Mediensystems zunutze machen."
Jan-Werner Müller, Politikwissenschaftler

Die Ära Trump war also kein bizarrer Ausrutscher der US-amerikanischen Demokratie. Seine Politik sei die konsequente Weiterführung republikanischer Taktiken, sagt der Politikwissenschaftler. Seit den 1990er-Jahren hätten einzelne republikanische Politiker die Polarisierung des Landes gezielt vorangetrieben.

"Im politischen System existiert eine Verzerrung, die es einer Minderheit erlaubt hat, trotzdem die Politik zu dominieren, trotz der Tatsache, dass viele ihrer Positionen eigentlich sehr unpopulär sind."
Jan-Werner Müller, Politikwissenschaftler

Denn: In einer gespaltenen Gesellschaft wählen die Menschen emotionaler. Eine eigentlich unpopuläre Politik lässt sich so besser durchzusetzen – Fake News inklusive. Hierbei helfe ihm die Struktur des Mediensystems in den USA.

Spaltung vorantreiben

Jan-Werner Müller erklärt: Im Mediensystem herrscht eine deutliche Asymmetrie. "Auf der Rechten und wirklich nur auf der Rechten gibt es eine in sich geschlossene Medienwelt, eine Art Parallelgesellschaft von Informationen." Hier werde Gemeinschaft kreiert, indem ein kollektiver Opferstatus konstruiert werde.

"Was war und zu welchem Ende studiert man Trumpismus?" heißt der Vortrag von Jan-Werner Müller, den er am 4. Dezember 2020 am Wissenschaftskolleg zu Berlin gehalten hat.