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Exklusiv und umweltschädlich reisen und obendrauf ein Zertifikat: Das kommt bei Jeff Bezos Raumfahrtprojekt zusammen. Ein zentrales Werbeversprechen wird nicht gehalten, sagt der ehemalige Astronaut Ulrich Walter.

New Shepard heißt die Rakete und verbrennt auf einem Flug ins All mehr als 50 Tonnen Kerosin. Das entspricht in etwa dem Verbrauch eines Transatlantikfluges. Allerdings fliegen hier nicht 200 mit, sondern nur fünf.

Zehn Minuten dauert der Ausflug von New Shepard in den Weltraum. Jeff Bezos Unternehmen Blue Origin möchte diesen Flug möglichst häufig mit der gleichen Rakete wiederholen – das Motto lautet "launch, land and repeat".

Das Unternehmen beschreibt sein Geschäftsmodell als quasi weltrettend, weil die Technik es in Zukunft erlauben könnte, neue Rohstoffquellen zu erschließen.

Mitreisende gehen Risiko ein

Mitfliegende gehen ein recht hohes Risiko ein, sagt Ulrich Walter, ehemaliger Astronaut und Inhaber des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München. Er sagt: "Ich würde mich da nicht reinsetzen. Die Chance, dass hier was passiert ist etwa zehn Prozent."

Nach der Landung sollen alle Mitreisenden ein Zertifikat bekommen. Darauf steht sinngemäß: Du warst im Weltraum. "Die Leute glauben, dann wären sie schon Astronauten, ist aber falsch", sagt Ulrich Walter. Für ihn sind Leute erst Astronauten nach einer geglückten Erdumkreisung, zum Beispiel auf einer Raumstation.

"Jeff Bezos Versprechen, dann Astronaut zu sein, das er auf seiner Internetseite gibt, wird eben nicht eingelöst, weil die Erdumrundung fehlt."
Stephan Beuting, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die verbaute Raumkapsel ist so klein und kegelförmig, dass jeder einen Fensterplatz hat.

Die Reisenden verlassen nicht den Schwerkraftbereich der Erde und geraten auch nicht auf eine Umlaufbahn.

Ein suborbitaler Hopser

"Es gibt zwei Sorten von Flügen. Das hier sind die sogenannten suborbitalen. Ich nenne es mal Hopser in den Weltraum", sagt Ulrich Walter.

"Der Weltraum beginnt nach internationaler Definition in 100 Kilometer Höhe, und Jeff Bezos geht auf 100,5 Kilometer Höhe."
Ulrich Walter, ehemaliger Astronaut und Inhaber des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München

Sicher ist für Mitfliegende einen Guinnessbucheintrag für den ersten kommerziellen Flug ins All. Der ist überteuert, findet Ulrich Walter. Flüge beim bekanntesten Konkurrenzanbieter Richard Branson sollten günstiger zu haben sein. Ein Flug soll rund 250.000 Dollar kosten.

"Das beste an der Raumfahrt sind diese coolen Promo-Videos."
Stephan Beuting, Deutschlandfunk-Nova-Reporter