Hassparolen gegen Frauen in Internetforen werden immer radikaler. Das fanden Forschende von unterschiedlichen Universitäten aus den USA, der Schweiz und Deutschland heraus. Seit 2015 beobachten sie: Besonders die Gruppe der Incels bekommt stetig mehr Zuspruch.

Frauenhass im Netz wird radikaler. Zu dem Ergebnis kommen Forschende des École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), der Binghamton University und der University of Illinois. In einer Studie hat das internationale Forschungsteam untersucht, wie Userinnen und User Frauenhass im Netz kommunizieren, welche Sprache sie dabei verwenden und wozu sie sich verabreden.

Die Forschenden teilten die Akteure, die Frauenhass im Netz verbreiten, in vier Gruppen ein. Und so lauten die Definitionen der Szene.

  • Men's Rights Activist (MRAs): Die Männerrechtsaktivisten sind der Auffassung, dass die Gesellschaft Männer diskriminiere. Dagegen würden sie sich politisch engagieren.
  • Men Going Their Own Way (MGTOWs): Ähnlich wie die MRAs gehen sie davon aus, die gesellschaftliche Haltung gegenüber Männern sei manipuliert. Als Konsequenz lehnen sie den Kontakt zu Frauen und Teilen westlicher Gesellschaften ab.
  • Pick Up Artits (PUAs): Sind eine Gemeinschaft, die Techniken und Strategien entwickelt, um Frauen zu überzeugen, sie zu daten. Sie sehen Frauen als Sexobjekt und teilweise ist hier auch Gewalt im Spiel.
  • Involuntary Celibates (Incels): Das Kofferwort setzt sich aus den englischen Begriffen für unfreiwillig und Zölibat zusammen. Die Forschenden definieren diese Gruppe besonders durch ihre starken Gefühle der Ablehnung und Frustration gegenüber Frauen. Diese Gruppe gilt als potentiell am meisten gewaltbereit.

Radikalität des Frauenhasses nimmt seit 2015 zu

Für ihre Studie haben die Forschenden insgesamt 7,5 Millionen Posts von 138.000 Benutzern in unterschiedlichen Foren und Wikis untersucht und im Anschluss Toxizitätswerte für bestimmte Stichwörter vergeben.

Ihr Ergebnis: Die Sprache der Incels ist im Vergleich zu den anderen Gruppen am radikalsten. In der Studie heißt es unter anderem: "Besorgniserregend ist, dass sich die Incels für eine extreme Anti-Frauen-Ideologie einsetzen."

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler fasst die Ergebnisse so zusammen: "Diejenigen, die generell als Frauenhasser einzustufen sind, radikalisieren sich im Schnitt also zunehmend." Die These der Incels laute: Frauen suchen sich sowieso nur die attraktivsten Männer als Sexualpartner, eigentlich stehe aber jedem Mann Sex zu. Sie betrachten Frauen also als untergeordnet.

"Die Incels-Mitglieder sind oft von Selbstmitleid geprägt und billigen Gewalt gegen Frauen, aber auch gegen sexuell aktive Männer."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Laut der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler handelt es sich bei den Incels häufig um junge Männer, die von Theorien über Beziehungen besessen sind. Sie würden oft den Wunsch kommunizieren, sich selbst oder andere zu verletzten. Und: Sie vertreten die Annahme, dass Männer die dominante soziale Position in einer Gesellschaft innehaben sollten, fügt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler hinzu.