Wer im Job mit anderen Menschen zu tun hat, muss seine eigenen Gefühle in der Regel zurückstellen und lächeln, auch wenn uns innerlich vielleicht nach Heulen oder Rumbrüllen ist. Nina Böhmer kennt das, sie ist Krankenpflegerin und hat gelernt freundlich zu sein und respektvoll mit den Patienten umzugehen, allerdings sagt sie, am Ende sei sie auch nur ein Mensch.

Nina Böhmer sagt, am Anfang müsse man als Krankenpfleger*in erst einmal lernen, mit solchen Situationen umzugehen. Zum Beispiel, wenn zum ersten Mal im Job ein Mensch stirbt. Oder wenn sie sich um Patient*innen kümmern muss, die unfreundlich zu ihr sind.

"Meistens ist man gestresst durch Zeitnot, weil es einfach viel zu viel zu tun gibt. Und manchmal muss man sich zusammenreißen, damit man nett bleibt."
Nina Böhmer, Krankenpflegerin

Nina Böhmer findet es schwierig, wenn die Patientinnen oder Patienten ständig wegen Kleinigkeiten nach ihr rufen oder klingeln. Etwa, damit sie das Fenster öffnet oder erklärt, wie der Fernseher funktioniert. Einerseits hat sie Verständnis für die Alten oder Kranken, andererseits muss sie sich dann manchmal dazu zwingen, freundlich zu bleiben, wenn sie gerade an einer anderen Stelle viel dringender benötigt wird. Meistens gelinge ihr das aber, sagt sie: "Ich habe jahrelange Erfahrung und ich habe mich generell gut unter Kontrolle."

Krankenschwester Nina Böhmer
© Alexandra S. Aderhold

Nina Böhmer erinnert sich an einen Tag, als sie gerade in einem Altenheim gearbeitet hat. Sie als einzige Krankenpflegerin – zusammen mit einer Helferin – war zuständig für alle Bewohner*innen. Die Anspannung an diesem Tag sei extrem hoch gewesen. "Da ist mir alles über den Kopf gestiegen. Und dann bin ich abends zu meinem Auto gelaufen, habe mich ins Auto gesetzt und musste erst einmal weinen", erzählt sie. Vor den Heimbewohner*innen würde ihr so etwas nicht passieren, dass mache sie – wenn – dann eher versteckt.

Die Gefahr für ein Burn-out

Auch Cornelia Schmedes war mal Krankenpflegerin, außerdem hat sie zum Thema "Emotionsarbeit" promoviert. Sie erklärt: "Emotionsarbeit bedeutet: 'Ich stelle meine eigenen Gefühle ein, um besser agieren zu können'." Im Berufsalltag kann es dabei um Gefühle gehen, die wir vor, während oder nach der Arbeit haben. Möglicherweise nutzen wir unsere Emotionen, um etwas zu bewirken: Als Krankenpflegerin versuchen wir vielleicht Ruhe auszustrahlen, damit ein aggressiver Heimbewohner sich beruhigt.

"Wir sind immer emotional unterwegs, wenn wir mit anderen Menschen agieren."
Cornelia Schmedes hat zu "Emotionsarbeit" promoviert

Von einer Bäckerin werde etwa erwartet, dass sie freundlich ist. Diese Freundlichkeit wirke sich am Ende auch verkaufsfördernd aus, erklärt Cornelia Schmedes. Für Menschen in Pflegeberufen hingegen sei das Ganze noch etwas komplexer. "Es sind Berufe mit hohen Sensivitäts-Ansprüchen", sagt sie, "das bedeutet, dass wir die Menschen emotional abholen müssen. Wenn ich einen ängstlichen Menschen habe, muss ich anders reagieren, als wenn ich einen aggressiven Menschen habe."

Cornelia Schmeddes
© privat
Cornelia Schmedes

Cornelia Schmedes sagt, dass Pflegekräfte häufig innerhalb eines Tages zwischen verschiedenen Emotionen "springen müssen". Allerdings bestehe gerade hier die Gefahr, das Pflegende ihrem Anspruch nicht gerecht werden können, wenn sie sich – aufgrund von Personalmangel – um zu viele Menschen gleichzeitig kümmern müssten. Cornelia Schmedes sagt: "Dann muss ich sehr oberflächlich handeln, dann bin ich vielleicht nett, obwohl ich gerade frustriert bin. Wir wissen aus der Emotionsforschung, dass gerade hier ein Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen besteht, vor allem mit der Burn-out-Erkrankung."

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