Ausgangssperren und strenge Kontrollen schließen Frauen in Neu-Delhi vom öffentlichen Leben aus. Die Studentinnenbewegung "Pinjra Tod" geht dagegen auf die Straße - vor allem abends und nachts.

Studentinnen wehren sich gegen die sexistischen Regeln an Unis und in der Gesellschaft. DRadio-Wissen-Reporterin Julia Wadhawan hat Studentinnen der Bewegung "Pinjra Tod" in Neu-Delhi getroffen.

Die 21-jährige Manjari muss keinen Schritt tun, um unserer Reporterin ihr Zimmer im Frauenwohnheim zu zeigen: Es misst nur drei Mal vier Meter. Die Wirtschaftswissenschaftlerin teilt es mit zwei anderen. Ihre Familie kommt aus Lacknau, 500 Kilometer von Neu-Delhi entfernt. In einer anderen Stadt zu studieren, bedeutet für Manjari eigentlich Freiheit - richtig frei ist sie aber nicht.

Zur Protestform geworden: Loitering

Es gibt klare Regeln im Wohnheim: Wenn die Frauen rausgehen, müssen sie sich austragen, wenn sie zurückkommen, wieder eintragen. Ausgang ist bis halb acht. Doch Manjari und ihre Freundinnen schleichen sich raus, aus Protest. Sie hängen in den Straßen ab, stehen herum, rauchen Lights und trinken Tee. Loitering nennen sie das.

"Wir werden von allen angestarrt, weil wir eine Gruppe Frauen sind, die ohne Männer unterwegs ist."
Anusha, Studentin aus Neu-Delhi

Die Studentinnen vernetzen sich online, während sie im Dunkeln die Straßen ihrer Städte ablaufen. Ihre Käfige, "das sind die Wohnheime und die Gesellschaft, die ihre Frauen züchtigen will, statt ihre Männer zu erziehen. Eine anständige Frau geht abends nicht raus",  erklärt Julia Wadhawan das Szenario.

Teppichmesser oder Pfefferspray in der Handtasche

Je mehr Frauen auf den Straßen sind, desto sicherer werden sie, meinen die Studentinnen. In der Nähe des Campus trauen sie sich, kurze Hosen und ärmellose Kleider zu tragen. In anderen Teilen der Stadt würden sie das nicht machen. Einige haben aus Angst vor männlichen Übergriffen Teppichmesser oder Pfeffersprays dabei. Benutzen mussten sie ihre Waffen zum Glück noch nicht.