In "Industria" startet alles mit dem Mauerfall und dem Zusammenbruch der DDR. Richtig geballert wird im Ego-Shooter aber in bizarren Paralleluniversen.

Computerspiele, in denen die Spielerinnen und Spieler auf etwas ballern müssen, gibt es wie Sand am Meer. Und wenn ein neuer Shooter erscheint, ist das erst mal nichts Besonderes – das neue Spiel "Industria" dagegen schon. Es spielt nämlich in Ost-Berlin, und Games, die in der DDR spielen, sind extrem selten – allerdings ist das nur der Anfang.

Die Story: Nora, eine Wissenschaftlerin um die 30, arbeitet an einem staatlichen Institut. Außerdem ist Walter wichtig, ihr Freund und Arbeitskollege.

Es ist der 9. November 1989. Die Nacht des Mauerfalls, in der sich in der DDR alles verändert. Noras Forschungsprojekt ist bedroht, und die Stasi nimmt gleich das komplette Institut auseinander.

"Wenn jemand sagt, wir machen Spiel, was von Half Life 2 inspiriert ist, dann ist das eine Ansage. An unseren Skills hat sich natürlich trotzdem nichts verändert: Wir waren am Anfang zwei Menschen ohne Budget, die in ihrer Freizeit gearbeitet haben, ohne jemals ein Spiel entwickelt zu haben."
David Jungnickel, einer der Entwickler von Industria

Die Spieler von Industria können Nora durch DDR-Plattenbauten steuern, Nachrichten vom Mauerfall lauschen und miterleben, wie im Land Chaos ausbricht.
Doch es bleibt nicht beim DDR-Setting. Das Spiel entwickelt sich zu einer Art Parallel-Welt-Berlin. Es gibt breite Straßen, Plätze, stolze Häuser aus der Gründerzeit.

Aber: Alles ist menschenleer. Pflanzen überwuchern die Straßen, Nora ruft immer wieder nach Walter, bekommt aber keine Reaktion. Sie scheint ziemlich alleine zu sein in einer Art Berlin der Zukunft, eine Berlin-Dystopie vielleicht. Deutschlandfunk-Nova-Gamer Thomas Ruscher findet das alles "sehr mysteriös".

Es wird noch bizarrer: Berlin ist von Robotern überrannt, die es sofort auf Nora abgesehen haben. Ab jetzt heißt es: Nora gegen eine ganze Heerschar von Killerrobotern. Und spätestens jetzt ist das Spiel ein Ego-Shooter. Nora findet Waffen wie eine Spitzhacke, Pistole, Maschinenpistole und, so sagt es Thomas, "die Standardwaffe in jedem Ego-Shooter seit 30 Jahren: die Schrotflinte."

Fazit

Thomas Ruscher hat das Spiel gerne gespielt und findet, dass das gut gemachte Action ist. Er sieht allerdings eine vergebene Chance. Denn das Spiel entfernt sich vom DDR-Setting – dabei zu bleiben, hätte besonders spannend sein können.

Das könnte daran liegen, dass der DDR-Bezug erst später in Spiel eingebaut wurde, nachdem die Grundidee schon stand. Und die basiert auf dem Egoshooter-Klassiker Half Life 2. Auch hier geht es um Paralleldimensionen, um wissenschaftliche Experimente, um Aliens, die der Menschheit an den Kragen wollen und vor allem um den tapferen Helden Gordon Freeman, ein Wissenschaftler mit Brechstange.

"Das Spiel hat mir richtig Spaß gemacht", sagt Thomas. Und vor allem ist es richtig schön. Zumal: Entwickelt wurde es praktisch von zwei Menschen alleine. An Half Life 2 waren über 80 beteiligt.

  • Moderator:  Sebastian Sonntag
  • Gesprächspartner:  Thomas Ruscher, Deutschlandfunk Nova