Infektionskrankheiten? Kein Thema mehr! Das dachte man nach den medizinischen Erfolgen Anfang des 20. Jahrhunderts. Aber: Falsch gedacht. Neue und altbekannte, veränderte Infektionskrankheiten stellen eine Gefahr dar - besonders für Menschen in ärmeren Weltregionen, aber auch in den medizinisch gut versorgten westlichen Industrienationen.

EHEC, die sogenannte Schweinegrippe, Ebola, aktuell das Zika-Virus - sie alle sind Beispiele für Infektionskrankheiten, die uns auch in der heutigen Zeit mit all ihren medizinischen Errungenschaften, hohen Hygienestandards, Impfstoffen und Antibiotika gefährlich werden können. Dabei dachten wir gegen Mitte des 20. Jahrhunderts, das Thema Infektionen sei erledigt.

"Der Optimismus wurde so groß, dass es in der Tat Politiker aber auch Wissenschaftler gab, die glaubten, Infektionen würden in der Zukunft keine Rolle mehr spielen."
Jörg Hacker, Mikrobiologe

Kein halbes Jahrhundert und einige Krankheitswellen später wissen wir, dass das eine überzogene Hoffnung war. Immer wieder tauchen neue oder veränderte Infektionen auf, die Ärzte und Forscher herausfordern. Nicht zuletzt stellen Resistenzen gegen Antibiotika enorme Herausforderungen dar, die uns wohl noch lange beschäftigen werden.

"Es ist ein Naturgesetz, dass auf jedes neue Antibiotikum sehr schnell danach auch Resistenzen zu erwarten sind, und das war bisher immer so."
Jörg Hacker, Mikrobiologe

In seinem Vortrag "Infektionen und Gesellschaft" beschreibt der Mikrobiologe Jörg Hacker die neuen Herausforderungen durch Infektionskrankheiten, beleuchtet die aktuellen Anstrengungen in der Forschung, aber auch der Politik, und beschreibt, was noch getan werden müsste, damit wir Infektionskrankheiten in Zukunft besser unter Kontrolle haben.

"Politik und Gesellschaft müssen neue Modelle der Kooperation und Interaktion entwickeln - gerade im internationalen Bereich ist das wichtig."
Jörg Hacker, Mikrobiologe

Jörg Hacker leitete bis 2008 als Professor für Mikrobiologie das Institut für Molekulare Infektionsbiologie der Uni Würzburg, dann war er zwei Jahre lang Präsident des Robert-Koch-Instituts, seit 2010 ist er Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Den Vortrag "Infektionen und Gesellschaft" hat er am 27. Juni 2016 an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München gehalten.