Für ihre öffentliche Kritik an Hartz IV hat Inge Hannemann Haus- und Arbeitsverbot in ihrem Jobcenter bekommen. Sie prangert weiter an. Denn das System ist ihren Augen voller Fehler.

Wenn Inge Hannemann ihr altes Jobcenter besucht, grüßen die meisten Kollegen nicht mehr. Sie sind entweder enttäuscht von Hannemann oder sie in einem Loyalitätskonflikt. Denn die ehemalige Kollegin ist freigestellt, sie darf nicht mehr als Jobvermittlerin arbeiten, hat der Chef entschieden.

Keine Sanktionen

Es gibt zurzeit wenig andere Menschen, die so öffentlich und konsequent gegen das System Hartz IV vorgehen wie Inge Hannemann aus Hamburg. Sie hat selbst mehrere Jahre im Jobcenter gearbeitet - und im Gegensatz zu den meisten Kollegen keine Sanktionen verhängt. Die Sanktionen sind Hannemann ein großes Anliegen.

Wenn ein Arbeitssuchender einen Termin in der Arbeitsagentur nicht wahrnimmt oder viel zu spät kommt oder einen Job ausschlägt, der nach Auffassung der Sachbearbeiter zumutbar wäre, dann wird sanktioniert. Heißt: Weniger Geld.

"Die Menschen wissen: Ich kriege da eh keine Hilfe."
Inge Hannemann

Hannemann hält dieses System für unmenschlich und kontraproduktiv: "Wenn zu mir jemand sagt 'Ich komme nicht ins Jobcenter, weil ich da keinen Bock drauf habe', dann ist das für mich ein triftiger Grund. Der Mensch hat anscheinend die Erfahrung gemacht: 'Es hat keinen Sinn. Ich kriege da eh keine Hilfe'."

Ob Inge Hannemann demnächst wieder an alter Stelle arbeiten darf, entscheiden demnächst Gerichte. So oder so kämpft sie dafür, das Hartzland dicht zu machen.