Das Video-Kartenspiel Inscryption ist ein Videospiel über Videospiele. Für unseren Games-Experten ist es die "wohl ungewöhnlichste Spielerfahrung des Jahres". Weil es sich dauernd neu erfindet und die Erwartungen bricht.

Kartenspiele gibt es ja wie Sand am Meer. Auch als Videospiel. Solitaire zum Beispiel hat bestimmt jeder von uns irgendwann mal am PC gezockt. Poker vielleicht auch. Oder das Sammelkartenspiel Magic – The Gathering.

Inscryption ist auch ein Kartenspiel – doch es ist anders, sagt Games-Experte Thomas Ruscher. Beim weltweit wichtigsten Videospielpreis war Inscryption als bestes Indiegame nominiert. Und auch wenn es für die Auszeichnung am Ende nicht ganz gereicht hat: Für ihn ist das Spiel "die wohl ungewöhnlichste Spielerfahrung des Jahres".

"Kartenspiel klingt erstmal bisschen langweilig. Aber Inscryption ist noch sehr viel mehr als das. Es ist ein Videospiel über Videospiele."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Games-Experte

Inscryption ist ein Videospiel über Videospiele. Es geht darum, wie sich Spielfiguren in einem Game fühlen müssen. Und es ist auch eine Art Found-Footage-Game.

Found-Footage wie beim Blair Witch Project

Der Begriff Found Footage kommt aus dem Filmbereich. Bekannt wurde er durch das "Blair Witch Project". Der Low-Budget-Film hat damals so getan, als wäre er gar kein fiktiver Spielfilm, sondern die tatsächlich gefundenen Videoaufnahmen von drei Leuten, die versucht haben, die legendäre Blair-Witch-Hexe zu finden.

Bei Inscryption können die Spieler*innen Koordinaten entdecken: echte Koordinaten. Irgendwo in einem Wald befindet sich eine alte PC-Diskette. Was da drauf ist, bleibt unklar, aber auf jeden Fall irgendein riesiges Geheimnis. Zwei Inscryption-Fans wollten diese Diskette finden – in der Realität. Die beiden Spieler sind gemeinsam mit dem Macher von Inscryption, Daniel Mullins, unterwegs. Und während sie nach der Diskette suchen, streamen sie sich live ins Internet. Für ein paar Leute, die auf der Videoplattform Twitch zugucken.

"Bei Inscryption können die Spieler*innen Koordinaten entdecken: echte Koordinaten."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Games-Experte

Sie finden die Diskette – und es wird aufregend. Der Stream bricht ab und es sieht so aus, als ob Daniel Mullins die zwei Game-Fans angreift, um ihnen die Diskette wieder wegzunehmen. Was genau passiert ist, scheint erstmal unklar. Aber auf Twitter gibt es kurz darauf noch ein Mini-Video von Daniel Mullins, offenbar auf der Flucht vor der Polizei.

Das alles ist also – ganz bewusst – sehr mysteriös und merkwürdig, sagt Thomas Ruscher. Und das, obwohl noch keine einzige Sekunde wirklich Inscryption gespielt worden ist.

Ein gruseliges Kartenspiel

Die Spieler*innen sitzen in einer alten, schummrigen Holzhütte an einem Tisch. Sie können ihre Hände sehen. Oder die Hände ihrer Spielfigur. Sie sehen den Kartenstapel. Ein Spielfeld. Und vor ihnen im Dunkeln ist etwas: der Gegenspieler. Und von dem sehen wir nur die zwei glühenden Augenpaare, die niemals den Blick von uns abwenden – und manchmal: Hände, Klauen, mit langen gesplitterten Fingernägeln – die manchmal nach uns greifen.

"What I made is is a card game, but it's from a first person perspective and across from you is a very creepy looking monster. And so I would say, it a scary card game."
Daniel Mullins, Entwickler von Inscryption

Und dann fängt die Kreatur an, uns das Kartenspiel zu erklären. Oder besser gesagt: Sie brummt etwas vor sich hin. Was sie sagt, muss man lesen. Später findet man heraus, dass dieses Monster auch einen Namen hat: Leshy. Und Leshy freut sich sehr, dass nach so langer Zeit wieder jemand bei ihm ist und mit ihm spielen möchte. Oder muss. Man hat ja keine Wahl. „Spiele zuerst das Eichhörnchen“ befiehlt Leshy. Und dann geht es los.

Die Karten stellen allesamt Tiere dar: Wölfe, Vögel, Bären, Frösche und so weiter. Jede Karte hat eine bestimmte Stärke, Eichhörnchen sind schwach, Bären ziemlich stark. Und das Ziel ist es, mit meinen Tieren möglichst viel Schaden gegen meinen Gegenspieler, also gegen dieses Monster, auszuteilen.

Das Ganze macht großen Spaß – ist aber ziemlich düster, sagt Thomas Ruscher. Man kann zum Beispiel seine Tierkarten nur ausspielen, wenn man vorher ein anderes Tier opfert. Ein Frettchen kostet ein Blutopfer, ein Wolf zwei Blutopfer... und so weiter. Dafür gibt es die Eichhörnchen, das sind die Opferkarten.

Wenn ihr noch mehr Einblicke in dieses besondere Spiel haben möchtet, klickt oben auf das Audio!