Eine Milbe macht Zuchtbienen, Imkerinnen und Imkern das Leben schwer. Auch wenn die Verluste angesichts des milden Winters eher gering sind: Das große Insektensterben geht weiter.

Manche Bienen sind gut über den vergangenen Winter gekommen, zwischen 14,6 und 16,4 Prozent der Zuchtbienen in Deutschland haben den Frühling 2020 allerdings nicht erlebt. Das ist die Verlustquote, die der Imkerbund für den vergangenen Winter ermittelt hat. Der Verein befragt jährlich Imkerinnen und Imker, wie es ihren Bienenvölkern geht. Etwa jedes siebte Bienenvolk hat den vergangenen Winter also nicht überstanden.

Varroa-Milbe - ein hartnäckiger Schädling

Relativ viele Bienen, die von Imkern bewirtschaftet werden, sterben im Herbst und im Winter, weil sich die Varroa-Milbe in den Bienenstöcken vermehrt und die Nutztiere schwächt, sagt der Umweltjournalist Georg Ehring. Im Ergebnis sterben die Bienenvölker, wenn die Milben nicht regelmäßig aus den Stöcken entfernt werden. Dafür sind mehrmals im Jahr Behandlungen mit Mitteln gegen die Schädlinge erforderlich.

"Innerhalb von zwei bis drei Jahren ist fast jedes Bienenvolk tot. Es sei denn, es wird mit organischen Säuren oder mit anderen Mitteln behandelt."
Georg Ehring, Deutschlandfunk-Umweltredaktion

Die Behandlung der Bienenstöcke mit den Milbenmitteln hat allerdings Nachteile: Die Bienen selbst werden geschwächt und die Milben werden in der Regel nicht restlos getötet. Georg Ehring sagt, dass jene Varroa-Exemplare, die die Behandlung überstehen, sich danach umso stärker vermehren.

"Das Ganze ist ein Dilemma. Die Milben, die die Behandlung überleben, vermehren sich dann umso stärker. Auf diese Weise wird diese Waffe gegen Varroa-Milben immer stumpfer."
Georg Ehring, Deutschlandfunk-Umweltredaktion

Die Milbe ist bereits Ende der 1970er-Jahre von der östlichen Honigbiene eingeschleppt worden, mindert die Zahl der Zuchtbienen massiv und auch die Menge an Honig, die aus den Völkern entnommen werden kann. Die Milbe ist inzwischen in fast allen Zuchtbienenbeständen weltweit anzutreffen. Australien ist eines der wenigen Länder, die die Varroa-Milbe noch nicht erreicht hat.

Wenig Lebensraum für Insekten

Inzwischen gibt es immerhin erste Erfolge damit, Bienenvölker heranzuziehen, die mit Varroa-Milben befallene Waben ausräumen, berichtet Georg Ehring.

Allgemeiner ist das Bienensterben ein Symbol für das massenhafte Insektensterben geworden, sagt Georg Ehring. Viele Honigbienen sterben wegen der Varroa-Milben, viele Wildbienenarten wegen des Pestizideinsatzes in der konventionellen Landwirtschaft, viele Insekten insgesamt, weil der Raum, in dem sie Leben können, kleiner wird.

"Das Problem des Insektensterbens gibt es weiter. Es gibt einen Erfolg, den auch die Imker wesentlich mit angeschoben haben: Die besonders gefährlichen Neonicotinoide, sind weitgehend verboten worden."
Georg Ehring, Deutschlandfunk-Umweltredaktion