Kuchen auf dem Balkon – und plötzlich sind die Wespen da. Solange sie nur zu Besuch sind, ist alles gut. Richten sie sich häuslich ein, wird es schon schwieriger. Der Biologe Björn Kleinlogel siedelt Wespennester um, wenn sie Menschen zu sehr stören.

Wespennester auf Balkonen, Terrassen oder im Dachgebälk – oft meidet man die Bereiche der eigenen Wohnung, wenn dort viele Wespen herumschwirren. Immer wieder wird der Biologe angefragt, wenn es darum geht, Wohnraum zurückzuerobern. Ein ganzes Wespennest umzusiedeln, ist auch für die geschützten Insekten eine stressige Aktion.

Der Biologe und Schädlingsbekämpfer Björn Kleinlogel hat vor 25 Jahren damit angefangen, Wespennester zu versetzen. Und er weiß genau, was er beachten muss, damit die Nester möglichst unbeschädigt und vollständig den Umzug überstehen.

"Es ist selbstverständlich, wenn man da ein paar Tausend Wespen hat, dass die das ordentlich verteidigen, die Jungtiere und die Königin im Nest.
Björn Kleinlogel, Diplom-Biologe und Schädlingsbekämpfer

Zuerst muss Björn Kleinlogel das Wespennest aus dem Hohlraum holen, in dem es gebaut wurde. Dann kommt das Nest in eine Umsiedlungskiste. Um nicht zu viele Insekten zurückzulassen, werden die herumfliegenden Wespen eingefangen.

Wespen tagsüber einzufangen ist besser als nachts

Die Tiere kommen in der Regel alle halbe Stunde mit Futter zum Nest zurück, sodass man die Wespen mit einer speziellen Sauganlage fangen kann. Wenn man sich eine Weile Zeit nimmt, bleiben nur wenige Wespen zurück.

Tagsüber gelingt das besser als nachts, denn Wespen, die sich verspäten, übernachten in der Natur und kommen dann erst am nächsten Morgen zum Nest zurück.

Neuer Standort sollte außerhalb des Flugradius sein

Das Nest muss an eine neue Stelle gebracht werden, mindestens drei Kilometer vom alten Standort entfernt. Ansonsten sei die Gefahr zu groß, dass die Insekten wieder zu ihrem alten Standort zurückkehren, so der Biologe.

Der Transport und die Umsiedlung verursachen einen ziemlichen Stress bei den Insekten. Deswegen würden sie sofort davonfliegen, wenn man sie direkt frei ließe. Am neuen Standort bleiben sie daher für mindestens ein bis zwei Stunden in der Box.

Extra Genehmigung, um Hornissen umzusiedeln

Hornissen stehen in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz. Um sie umzusiedeln, benötigt Björn Kleinlogel eine schriftliche Ausnahmegenehmigung der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde. Bei Wespen, die unter allgemeinem Schutz stehen, reicht es, wenn man die Umsiedlung nachvollziehbar begründen kann.

"Man sollte sich am Kuchentisch ruhig verhalten, nicht nach den Tieren schlagen."
Björn Kleinlogel, Diplom-Biologe und Schädlingsbekämpfer

Einen Tipp hat der Experte noch für uns: Wenn wir am Kuchentisch Besuch von Wespen bekommen, sollten wir nicht nach ihnen schlagen. Denn die Tiere sind dann auf Nahrungssuche, nicht im Verteidigungsmodus. Sich ruhig verhalten sei die beste Strategie, um nicht gestochen zu werden.