Auf Instagram werden wir überschwemmt mit inszenierten Bildern, die das perfekte Leben darstellen sollen. Aber es gibt auch das Gegenteil: Bilder, auf denen Nutzer ihre Selbstverletzungen zeigen. Forscher haben diese Fotos jetzt analysiert.

Unter den Hashtags #Ritzen, #Selbstverletzung oder #Narben posten Instagram-Nutzer Bilder, die nicht das schöne Leben zeigen: vom Ritzen blutige oder vernarbte Arme, traurige oder verzweifelte Sprüche. Psychologen der Uni Ulm wollten wissen, wie verbreitet solche Ritzbilder sind und welche Reaktionen sie auslösen.

Dafür haben sie sich in einem Zeitraum von einem Monat mehr als 32.000 Bilder aus dem deutschsprachigen Raum angesehen, die mit diesen oder ähnlichen Hashtags versehen waren. 90 Prozent der Fotos zeigten keine expliziten Verletzungen. Die übrigen 3000 Bilder - auf denen Wunden, Schnitte oder Blut sichtbar waren - haben die Forscher analysiert.

Schwerere Wunden = mehr Aufmerksamkeit

Sie fanden heraus: Bilder, die besonders schwere oder mehrere Wunden zeigten, bekamen mehr Aufmerksamkeit, also mehr Kommentare. Diese wiederum fielen überwiegend mitfühlend aus, in vielen Kommentaren wurde den Betroffenen Hilfe angeboten. Nur sehr wenige Beiträge waren beleidigend.

Bei den Profilen, bei denen Alter und Geschlecht – laut Selbstauskunft – überprüft werden konnten, ergab sich: 91 Prozent der Fotos wurden von Frauen hochgeladen – sie waren zwischen zwölf und 21 Jahre alt.

Die Psychologen haben daneben auch eine Reihe von qualitativen Interviews geführt, um mehr über die Motive hinter den Bildern zu erfahren. "Das immer wiederkehrende Hauptmotiv war, mit dem Posten von Wundbildern mehr Kommentare zu erzielen", sagt Paul Plener, der Leiter der Studie.

"Das heißt, wenn ich über Gefühlslagen schreibe, wie es mir geht, dann bekomme ich wesentlich weniger Feedback als durch das Posten von Wundbildern."

Laut Paul Plener geht es bei der Verbreitung solcher Bilder aber gar nicht unbedingt nur darum, Aufmerksamkeit zu generieren. Die Betroffenen wollen vor allem zeigen: Mir geht es schlecht.

Mehr Hilfsangebote

Ob die Bilder Nachahmer anziehen, konnten die Forscher in ihrer Studie nicht klären. Frühere Untersuchungen hätten aber gezeigt, dass es einen triggernden Effekt haben kann, sich solche Fotos anzusehen. Die Forscher fordern daher auch weitere Online-Hilfsangebote, die durch das Soziale Netzwerk verbreitet werden sollten. Außerdem wollen sie mehr über das Publikum, also die Kommentatoren der Bilder herausfinden.

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