Um Rassismus erfolgreich bekämpfen zu können, müssen wir seine Ursachen kennen und wissen, worüber wir sprechen. Zum Beispiel, was wir meinen, wenn wir von rassistischen Taten, Strukturen oder Institutionen sprechen. Die Philosophin Kristina Lepold beleuchtet verschiedene Definitionen von institutionellem Rassismus und erklärt, was sie selbst darunter versteht.

Wer etwas gegen Rassismus tun möchte, muss seine Ursachen erkennen und diese präzise beschreiben können. Wann ist eine Tat rassistisch? Wann ist eine Organisation, eine Bildungseinrichtung oder eine Polizeibehörde rassistisch?

"Wenn wir daran interessiert sind, an diesen Benachteiligungen etwas zu ändern, glaube ich, dass man die Ursachen dieser Benachteiligungen differenziert beschreiben muss."
Kristina Lepold, Philosophin

Um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir zunächst einmal verstehen, was wir meinen, wenn wir davon sprechen, dass eine Organisation rassistisch ist.

Rassistische Strukturen in Institutionen

Heißt das zum Beispiel, dass eine Organisation explizit rassistische Ziele verfolgt? Oder dass die Regeln, die dort gelten, rassistisch motiviert sind? "Schwarze, weiße und andere Menschen gibt es, aber sie gibt es tatsächlich nur, weil bestimmten Eigenschaften, wie etwa der Hautfarbe von Menschen, gesellschaftlich eine Bedeutung beigemessen wird und Menschen auf dieser Grundlage unterschiedlich behandelt werden", sagt Kristina Lepold.

Sollten wir bei einer Organisation vielleicht auch schon dann davon sprechen, dass sie rassistisch ist, wenn keine ihrer Ziele oder Regeln explizit rassistisch sind, diese Organisation aber dennoch zu Benachteiligungen von Menschen führt? Zum Beispiel aufgrund ihrer Hautfarbe?

"Womöglich ist institutioneller Rassismus ein Baustein von strukturellem Rassismus. Wenn das so wäre, dann wären wir gut beraten, wenn wir erstmal verstanden hätten, was institutioneller Rassismus ist."
Kristina Lepold, Philosophin

Wir brauchen ein Verständnis von Rassismus, dass weder zu eng noch zu weit gefasst ist, argumentiert Kristina Lepold. In ihrem Vortrag betrachtet sie zwei Definitionen genauer und macht dann einen eigenen Vorschlag. "Institutioneller Rassismus liegt nur dann vor, wenn die offiziellen Ziele und/oder Regeln einer Institution rassistisch sind und/oder wenn die Institution verborgene rassistische Ziele hat und/oder es implizite Regeln beziehungsweise Normen gibt", sagt die Philosophin.

Kristina Lepold hat ihren Vortrag am 26. Oktober 2022 am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität zu Berlin gehalten. Er hat den Titel "Was ist institutioneller Rassismus?"

  • Hörsaal
  • Moderation:  Sibylle Salewski
  • Vortragende:  Kristina Lepold, Philosophie, Humboldt-Universität zu Berlin