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Erst klagte er gegen das erzwungene Ende seiner Karriere. 1995 bekam der Fußballprofi Jean-Marc Bosman Recht. Seitdem können Spieler auf dem Transfermarkt mitbestimmen – ein massiver Machtverlust für die europäischen Vereine.

Im Herbst 1989 fühlt sich der belgische Fußball-Profi Jean-Marc Bosman zwar auf dem Höhepunkt seiner Karriere, es wird aber trotzdem seine letzte Saison sein, und das nicht aus gesundheitlichen, sondern aus sportpolitischen Gründen: Sein Vertrag beim RFC Lüttich läuft Ender der Saison 1989/90 aus.

Jean-Marc Bosman möchte gerne nach Dünkirchen in die zweite französische Liga wechseln. Der RFC Lüttich hingegen will ihn nicht gehen lassen, obwohl der Vertrag ausläuft und setzt eine Ablösesumme von 800.000 Dollar fest. Dünkirchen ist nicht bereit, diese Summe zu zahlen, der Wechsel von Jean-Marc Bosman scheitert.

EuGH gibt Bosman Recht

Der Fußball-Profi klagt fünf Jahre lang gegen diese Entscheidung, weil er sich bei der freien Wahl seines Arbeitsplatzes und in der Arbeitsnehmerfreizügigkeit behindert fühlt. Sie gilt in der Europäischen Union erst seit 1992. Im Jahr 1995 ist es endlich soweit: Der Europäische Gerichtshof gibt Bosman Recht und kippt damit die bis dahin geltende Praxis, dass abgebende Vereine nach Ende des Vertrages eine Ablösesumme festlegen, die der übernehmende Club zu zahlen hat.

"Profisportler werden zu Arbeitnehmern, die nach Ablauf ihres Vertrages frei entscheiden können, wo sie unterschreiben möchten."
Arne Hell, Deutschlandfunk-Nova-Reporter über die Bosman-Entscheidung des EuGH

Die Fußball-Bundesliga reagiert mit Entsetzen, manche Manager sagen eine mittlere Katastrophe voraus und beklagen den Umstand, dass nun Spieler und ihre Manager bei Verhandlungen am längeren Hebel sitzen und einen Großteil des Geldes in ihre Taschen umleiten können. Schließlich werden in den folgenden Jahren Verträge abgeschlossen, in denen eine Ablösesumme enthalten ist, die ein übernehmender Verein zahlen muss, wenn der Spieler vor Ablauf des Vertrages wechseln möchte.

Ihr hört in "Eine Stunde History":

  • Reporterlegende Manni Breuckmann erinnert sich an die Tage, als das Bosman-Urteil den Fußball revolutionierte.
  • Heribert Bruchhagen war Manager bei vielen Bundesligavereinen und erläutert deren Sicht auf das Urteil des EuGH.
  • Jörg Neblung ist Spielerberater und erklärt, wie sich der Transfermarkt des internationalen Profifußballs seither verändert hat.
  • Matthias Friebe aus der Deutschlandfunk-Sportredaktion fasst zusammen, wie die Zukunft des Profifußballs nach dem Bosman-Urteil und in Zeiten von Corona aussehen könnte.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld berichtet über das Verhältnis der Spieler zu den Vereinen vor dem Bosman-Urteil.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Arne Hell schildert den Fall des belgischen Fußball-Profis Jean Marc Bosman, der das bis dahin geltende Ablösesystem im Profisport auf den Kopf stellte.