Aus Protest die Faust ballen, niederknien oder die Fingernägel in Regenbogenfarben lackieren – all das soll es bei den Olympischen Spielen nächstes Jahr in Tokio nicht geben. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat einen Leitfaden veröffentlicht, in dem steht, welche Form von politischem Protest erlaubt ist und welche nicht.

Schon lange ist es den Athletinnen und Athleten verboten, sich politisch auf dem Spielfeld zu positionieren. Der neue Leitfaden legt nun aber fest, dass politische Gesten auch außerhalb des Stadions sanktioniert werden können. "Die Sportler dürfen nicht viel", sagt Matthias Friebe, Sportjournalist für den Deutschlandfunk.

Keine Regenbogen-Fingernägel bei den Olympischen Spielen

Meinungsäußerungen, etwa in Pressekonferenzen, bleiben erlaubt. Jeglicher politische Protest – mit Schildern, Kleidung oder Ähnlichem – ist aber verboten. "Die berühmten Regenbogen-Armbänder oder -Fingernägel sind natürlich auch verboten, weil das politischer Protest ist", so Matthias.

Die schwedische Hochspringerin Emma Green Tregaro wurde schon 2013 wegen ihrer bunten Fingernägel (im Bild oben) gerügt, mit denen sie in Moskau ein Zeichen für die LGBTQ-Community setzen wollte.

"Das einzige, was an Protest erlaubt ist, ist eine Meinungsäußerung. Also etwa, in einem Interview oder einer Pressekonferenz zu sagen, das und das passt mir nicht."
Matthias Friebe, Deutschlandfunk-Sportredaktion

Die Verbote gelten im Stadion und im olympischen Dorf. Ein Sportler dürfte allerdings außerhalb der olympischen Stätten in Tokio an einer Demonstration teilnehmen, sofern er die Gesetze des Landes einhält.

"Die Proteste, an die wir uns erinnern, das sind die, wo jemand bei der Siegerehrung mit der Faust steht."
Matthias Friebe, Deutschlandfunk-Sportredaktion

Verstoßen Sportlerinnen und Sportler während der Tokio-Spiele gegen die Regeln, werden die Fälle vom IOC, den Nationalen Olympischen Komitees und den jeweiligen Sportverbänden bewertet. Über disziplinarische Maßnahmen entscheiden die Gremien von Fall zu Fall.

Schwimmer steht bei einer Siegerehrung neben dem Podest
© imago images / VCG
Der australische Schwimmer Mack Horton gewann bei den Schwimm-Weltmeisterschaften die Silbermedaille, weigerte sich aber, gemeinsam mit Chinas Weltmeister Sun Yang auf dem Podest zu stehen.

In der Vergangenheit kam es vor, dass Sportlerinnen und Sportler gegen Rassismus oder Diskriminierung protestiert haben, sagt Matthias Friebe. Ein Beispiel: Bei der Schwimm-Weltmeisterschaft weigerten sich Schwimmer aus Australien und Großbritannien wegen der mutmaßlicher Dopingverstöße von Chinas Weltmeister Sun Yang mit ihm auf dem Siegerpodest zu stehen. "Nach den neuen IOC-Regeln wäre das bestrafenswert", so der Sportjournalist. Denn der Siegerehrung als Zeremonie dürfen Sportler nicht fernbleiben.

Welche Strafe ein Regelverstoß bringt, ist unklar

Die neuen Regeln wurden auch herausgegeben, damit alle Sportlerinnen und Sportler eine Sicherheit haben. Dabei bleibe der Leitfaden in genau diesem Punkt schwammig, meint Matthias Friebe: Im Papier heiße es, über die Strafe werde im Nachhinein beraten. Im Grunde erhöhe das den Druck auf die Athletinnen und Athleten, denn es drohe ein Ausschluss von den Spielen.

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Für ihren symbolischen Protest bei den Panamerikanischen Spielen in Peru wurden im vergangenen Jahr zwei amerikanische Athleten gerügt. Der Fechter Race Imboden kniete bei der Medaillienvergabe nieder, Hammerwerferin Gwen Berry hob aus Protest gegen Rassismus die Faust. Beide erhielten eine zwölfmonatige Bewährung, die auch noch bei den Sommerspielen in Tokio gilt.