Das Chaos im Irak wird immer größer. Die Terrorgruppe IS ist offenbar selbst von den kampferprobten Kurden nicht mehr aufzuhalten. In der Hauptstadt Bagdad schaffen es die Verantwortlichen unterdessen nicht, sich auf einen neuen Ministerpräsidenten zu einigen.

Die Terrorgruppe IS ist im Irak auf dem Vormarsch. Jetzt sind auch die Kurden überrannt worden - die einst als kampferprobtes Bollwerk galten. Auch unser Korrespondent Martin Zagatta ist überrascht über den Erfolg von IS im Norden. Wobei unklar sei, ob die Kurden überrascht wurden. In jedem Fall haben sie angekündigt, dass sie zu einem tödlichen Gegenschlag ausholen wollen.

"Auf dem Papier existiert der Irak noch - de facto ist er in drei Teile zerfallen."
Martin Zagatta, Nahost-Korrespondent

In der Region ist man entsetzt, dass IS offenbar nicht zu stoppen ist. Mittlerweile sollen 200.000 zusätzliche Menschen auf der Flucht sein. Die Kurden fordern jetzt Waffenhilfe von den USA. Die Europäische Union lehnt eine militärische Unterstützung dagegen ab.

Machtvakuum nach der Wahl

Insgesamt herrscht im Irak ein Machtvakuum - es gibt immer noch keinen neuen Ministerpräsidenten, auch wenn schon vor drei Monaten gewählt wurde. Die Folge: Der verhasste alte Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist immer noch im Amt, hat aber kaum noch was zu sagen. Die Kurden streben nach Unabhängigkeit und die Bevölkerungsminderheit der Sunniten hat teilweise gemeinsame Sache mit den Islamisten gemacht. Martin Zagattas Fazit: Auf dem Papier existiert der Irak noch – de facto ist er in drei Teile zerfallen.