Den USA stünde ein schwarzer Tag bevor, sagte die Tochter des getöteten Generals Qassem Soleimani bei dessen Trauerfeier in Teheran. Donald Trump wiederum droht mit "schwerer Vergeltung", sollte es zu Racheakten kommen. Die Gefahr einer Eskalation sei real, sagt Azadeh Zamirirad von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

"Verrückter Trump, denke nicht, dass mit dem Märtyrertod meines Vaters alles vorbei ist", erklärte Seinab Soleimani bei der Trauerfeier für ihren getöteten Vater vor einer großen Menschenmenge. Und sie drohte weiter: Die Familien von US-Soldaten in der Region müssten nun ihre Tage damit verbringen, auf den Tod ihrer Kinder zu warten.

Hunderttausende Menschen haben in Teheran am Trauerzug teilgenommen. Neben der iranischen waren auch rote Flaggen zu sehen - Rot gilt im Iran als Farbe der Märtyrer.

Dass eine Reaktion aus Teheran erfolgen wird, ist für Azadeh Zamirirad von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin sicher.

"Die Töne, die wir aus Teheran hören, sind vermutlich nicht nur leere Drohungen. Teheran wird reagieren."
Azadeh Zamirirad, Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin
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Am vierten Tag nach der Tötung des ranghohen iranischen Generals durch einen Drohnenangriff des US-Militärs ist die Lage also weiterhin angespannt. Die Drohungen aus Teheran müssen wir ernst nehmen, sagt Azadeh Zamirirad. Schließlich sei General Soleimani der "bedeutendste Architekt der iranischen Regionalpolitik" gewesen. Sein Tod werde nicht unbeantwortet bleiben: "Es stellt sich die Frage, wann, wo und in welchem Ausmaß Iran reagieren wird."

"In jedem Fall ist zu befürchten, dass die Gefahr für US-Soldaten in der gesamten Region deutlich gestiegen ist."
Azadeh Zamirirad, Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin

Besonders US-amerikanische, aber auch Bundeswehr-Soldaten in der Region, seien nun einer Gefahr ausgesetzt. Azadeh Zamirirad hält eine militärische Eskalation nicht für unwahrscheinlich. Diese könnte auch auf andere Länder übergreifen, etwa den Libanon, Syrien oder Israel.

"Schlimmstenfalls kriegerisches Chaos"

Würde es tatsächlich zu einem Krieg kommen, könnten wir in Europa uns dem nicht entziehen, so die Politologin. Ihrer Ansicht nach sollte sich Deutschland weder direkt noch indirekt an einer militärischen Auseinandersetzung beteiligen, sollte es denn dazu kommen. Schon allein aus dem Grund, weil der Anschlag auf Soleimani völkerrechtlich nicht tragbar gewesen sei. "Das sollten wir auch deutlich machen", findet sie. Denn schlimmstenfalls könne sich der Konflikt zu einem kriegerischen Chaos ausweiten.

Füße gehen über eine amerikanische Flagge auf dem Boden.
© imago images / ZUMA Press
Beim Trauerzug in Teheran treten die Menschen Amerika mit Füßen. Rufe wie "Tod Amerika" und "Tod Israel" waren zu hören.

In der aktuellen Gemengelage versucht auch der Irak, Stellung zu beziehen. Das Land wolle nicht zwischen die Fronten geraten, sagt Azadeh Zamirirad. Deshalb hat das irakische Parlament dafür gestimmt, dass die Regierung in Bagdad alle ausländischen Truppen, also insbesondere die US-Armee, des Landes verweist.

Der Irak will nicht zum Schauplatz der Auseinandersetzung werden

Die Regierung muss aber der Aufforderung des Parlaments nicht folgen. Der irakische Premierminister hat nun gesagt, er sei zwar dafür, dass die US-Truppen abziehen, doch seine Regierung sei nur geschäftsführend im Amt. Entscheiden müsse das die neue Regierung.

Einen Überblick über die aktuelle Lage gibt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kerstin Ruskowski.

Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredakteurin, zum aktuellen Konflikt
"Die USA und der Irak sind ja eigentlich Verbündete. Die USA haben im Land viel an Infrastruktur aufgebaut, seit dem Einmarsch 2003."

US-Präsident Donald Trump reagiert - wie so oft - direkt wieder mit einer Drohung: Wenn die USA das Feld räumen sollen, dann müsse der Irak für die Infrastruktur, die die Amerikaner dort aufgebaut haben, bezahlen. Allein ein moderner Luftwaffenstützpunkt habe angeblich Milliarden US-Dollar gekostet.

Europa versucht, zu deeskalieren

Deutschland, Frankreich und Großbritannien versuchen, die aktuelle Situation zu entschärfen: Nach Telefonaten zwischen Angela Merkel, Emmanuel Macron und Boris Johnson sind sich die drei Länder einig, dass die Souveränität und Sicherheit des Iraks geschützt werden müsse. Noch diese Woche soll es ein Sondertreffen der EU-Außenminister geben. Zudem reist Angela Merkel nach Russland zu einem Arbeitstreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Das Treffen ist schon seit längerem terminiert, am 11. Januar werden sie dann wohl auch über die aktuelle Lage sprechen.

Azadeh Zamirirad sagt: Auf Diplomatie zu setzen, sei das einzige, was Europa im Moment tun könne. Zudem sollte man auch das Gespräch mit anderen Akteuren in der Region suchen - mit Kuwait oder Saudi-Arabien beispielsweise. Denn ihrer Einschätzung nach will keiner eine militärische Auseinandersetzung in der Region.