Hat niemand mit gerechnet: Außenseiter Island schmeißt die Engländer aus der EM. Im Viertelfinale trifft das Land, in dem die Menschen keine richtigen Nachnamen haben, auf Frankreich. Schon jetzt wünschen sich viele, dass Island Europameister wird. Weil wir gerne mal mit denen mitfiebern, die kaum eine Chance haben.

Dahinter steht ein ganz einfaches Prinzip: Bei Auseinandersetzungen, wo wir nicht sowieso schon parteiisch sind, halten wir einfach lieber zum möglichen Verlierer, als zum offensichtlichen Gewinner. Beispiele gefällig?

Kette gegen Einzelhandel

Burger
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Wir haben die Wahl zwischen einer Fast-Food-Kette oder der teureren Burgermanufaktur? Wir entscheiden uns natürlich für letztere, die können unser Geld besser gebrauchen.

Löwin gegen Gazellenbaby

Löwe
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Wir finden Löwen toll. Wir wollen nicht, dass Löwen ausgerottet werden. Aber wenn die Löwenmutter eine Babygazelle jagt, sind wir natürlich für die Gazelle.

England gegen Island

England gegen Island
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Okay, ein bisschen tut es uns leid für die Engländer. Aber wir sind einfach wirklich eher für Island (in blau). Weil wir gar nicht wussten, dass die überhaupt Fußball spielen können. Und dann DAS!! 2:1 für Island. Ist Island das neue Griechenland?

Interessanterweise geht es nicht nur in Sachen Kette vs. Einzelhandel, Löwin vs. Gazelle und England vs. Island so. Auch viele Filme haben genau diesen Plot: Da ist ein Underdog, der plötzlich zum Helden wird. Bestes Beispiel: Rocky mit Sylvester Stallone. Zuerst bekommt Rocky im Ring ständig einen auf die Mütze, am Ende gewinnt er. Angefangen hat das möglicherweise schon bei David gegen Goliath: David ist bis heute ein beliebter Vorname. Goliath? So würde doch niemand sein Kind nennen.

Warum wir vermeintliche Verlierer abfeiern

Dabei spielen Anteilnahme, Mitgefühl und ausgleichende Gerechtigkeit eine wichtige Rolle. Es geht nämlich immer um die Harmonie der Kräfte: Wenn immer derselbe gewinnt, ist das langweilig. Manchmal halten wir aber auch einfach zu Außenseitern, weil wir selbst nicht verlieren möchten. Jochen Mai, Chefredakteur von Karrierebibel.de, hat sich seine ganz eigenen Gedanken dazu gemacht. Er sagt: "Wenn man von vornherein für den vermeintlichen Verlierer ist, kann man im Grunde genommen nicht verlieren. Denn der hat ja per se im Vorfeld schon verloren. Da ist die Niederlage eingepreist. Gewinnt der aber dann doch, ist die Freude umso größer."