Übernachten bei Siedlern im Westjordanland? Das Booking-Portal Airbnb hat sich dagegen entschieden. Auch andere Firmen merken, dass ihr Geschäft in Israel schnell politisch wird. Wir haben mit unserem Korrespondenten gesprochen.

Airbnb vermittelt Übernachtungsmöglichkeiten auf der ganzen Welt. In umstrittenen Gebieten, wie dem israelisch besetzten Westjordanland, will das Unternehmen in Zukunft nicht mehr tätig sein. Das teilte die Firma in einem Statement mit. Sie werde die rund 200 Angebote in israelischen Siedlungen in der seit 1967 besetzten Westbank von der Seite nehmen.

Wir haben mit Benjamin Hammer gesprochen. Er ist unser Korrespondent für Israel. Benjamin hat sich vor dem Gespräch ein Angebot in Gusch Etzion im Westjordanland genauer angesehen. Dort preist ein Siedler einen Wohnwagen als Übernachtungsmöglichkeit für 50 Euro pro Nacht an. Der müsste dann bald von Airbnb von der Seite genommen werden.

"Die Palästinenser sind happy. Die israelische Regierung ist so richtig sauer. Sie droht damit, es Airbnb in Zukunft schwieriger zu machen."
Benjamin Hammer, Korrespondent für Israel

Die palästinensische Seite Peace Now und Human Rights Watch begrüßten die Entscheidung von Airbnb. Die rechtskonservative israelische Regierung ist hingegen entrüstet und droht dem Unternehmen. Sie haben die Pläne von Airbnb sogar als rassistisch bezeichnet, sagt Benjamin.

Rückzug der Bahn AG

Auch booking.com bietet Unterkünfte in den besetzten Gebieten an. Eine vergleichbare Entscheidung wie bei Airbnb zeichnet sich bei diesem Unternehmen allerdings bisher nicht ab. Nicht nur die beiden Tourismusportale werden durch die Lage in Israel zu politischen Geschäftsentscheidungen gezwungen, die in der Folge von den Konfliktparteien interpretiert werden. Benjamin sagt, dass sich auch die Deutsche Bahn 2011 aus dem Bau einer Strecke zwischen Tel Aviv und Jerusalem zurückgezogen hat. Die Bahnlinie verläuft teilweise durch das Westjordanland.

"Eine Bahnlinie wird bald Tel Aviv und Jerusalem verbinden. Die Deutsche Bahn hat zeitweise an dem Milliardenprojekt mitgearbeitet, dann kam raus, dass die Strecke durch das Westjordanland führt. Die Bahn hat das Projekt verlassen."
Benjamin Hammer, Korrespondent für Israel

Von palästinensischer Seite aus wird Google-Maps heftig kritisiert. Der Vorwurf ist, dass Google die israelische Besatzung normalisiere, obwohl sie gegen das Völkerrecht verstößt. Das Navigationsprogramm ignoriert die besetzten Gebiete, wenn der Nutzer nur hindurch fährt.

Wählt man hingegen ein Ziel in den palästinensischen Autonomiegebieten, werden diese nicht gefunden, berichtet Benjamin. Allerdings ist auch das Kartenmaterial für diese Bereiche nicht besonders hochwertig. Bei dem alternativen israelischen Anbieter Waze, Google hat ihn inzwischen gekauft, wird der User in den Palästinensergebieten regelmäßig vor erhöhter Kriminalität gewarnt.

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