Terroranschläge wie die, die in Brüssel passiert sind, gehören für viele Israelis zum Alltag. Die Angst davor ist immer da: an der Bushaltestelle, im Café, auf dem Markt. Aber sogar in Israel ist ein normales Leben möglich.

Anna hat mehrere Monate in Israel verbracht und dort gemerkt: Sie hat Menschen anders betrachtet als hier in Deutschland. Sie hat zum Beispiel geschaut, ob jemand die Hände in den Hosentaschen versteckt. Das hat ihr ein israelischer Freund verraten. Schließlich müsse ein Mensch, der jemand anderen erstechen will, irgendwo ein Messer rausziehen.

Eine von Annas Freundinnen ist Yarden Skoop. Sie ist Ende 20, lebt in Tel Aviv und arbeitet als Journalistin. Manchmal fühle sie sich bedroht, sie wolle aber nicht, dass die Angst ihr Leben bestimmt.

"Es ist zu viel, um auf jeden Anschlag zu achten. Ich glaube, mental wählst du aus, worüber du dir Sorgen machst, sonst wäre es schwierig, ein normales Leben zu führen."
Yarden Skoop über den Alltag in Israel

Zwei Tage nach einem Anschlag ist alles wieder normal

Die Angst und das Kopfkino kennt auch Moshe Adar. Besonders verunsichert war er zu der Zeit, als in Israel viele Messerattacken geschahen. "Als das angefangen hat, bin ich durch die Straßen gegangen und habe in meinem Kopf Szenarien entwickelt, was ich machen würde, wenn ich jetzt eine Person sehe, die auf jemanden einsticht." Moshe hat aber auch eine andere Erfahrung gemacht: Zwei Tage nach einem Anschlag, nach einem Attentat, kehren die Menschen in Israel wieder zurück in den Alltag.

"Wenn du in einem Land lebst, das schon so lange unter Terror leidet, hast du einen Mechanismus im Kopf, durch den du sehr schnell wieder zurück zur Normalität kehrst."
Moshe Adar erklärt, wie es ist, wenn Terror zum Alltag gehört

"Es ist weiter weg, es betrifft mich nicht so doll"

Aber Moshe weiß: Auch in Israel leben Menschen, die unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden. Für Moshe ist es so, je näher ein Anschlag an ihm dran ist, umso betroffener macht es ihn. "Es ist nicht schön zu sagen, aber es ist die Wahrheit. Wenn etwas in einer Stadt weiter weg von dir passiert, dann denkst du dir: 'Es ist weiter weg, es betrifft mich nicht ganz so doll.'"

"Die Situation ändert sich schnell wieder"

Ähnlich geht es auch Yarden, der Journalistin. Sie versucht selbst zu bestimmen, wovor sie Angst hat und achtet nicht mehr auf jeden Anschlag. DRadio-Wissen-Autorin Anna Kohn ging es in Israel ein bisschen anders. Sie musste sich erst einmal an die dauernde Bedrohung gewöhnen. Ihre Freundin Yarden hofft, dass Europa nicht die gleiche Entwicklung durchmachen muss wie Israel, dass der Terror in Europa nicht irgendwann zum Alltag gehört. Und sie weiß: "Die Situation ändert sich schnell wieder. Die Angst breitet sich sehr schnell aus, aber nach einer Weile normalisiert sich alles wieder."

"Vielleicht hilft das den Leuten in Europa ein bisschen, auch wenn alle gerade sehr viel Angst haben. Wenn jetzt eine ruhige Phase kommt, ist das tägliche Leben wieder ganz normal."
Yarden Skoop erklärt, wie sie mit Terror umgeht